Teil eines Werkes 
1 (1797) Handbuch der Land-Bau-Kunst, vorzüglich in Rücksicht auf die Construction der Wohn- und Wirthschafts-Gebäude für angehende Cameral-Baumeister und Oeconomen. 1
Entstehung
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Von den Baumaterialien. 25

aber mit duͤnnen Kalk abgeweißt, oder eine Kreide oder anderer Grund von Erd⸗ farben zur Mahlerei aufgetragen.

Die Farben ſtehen beſonders friſch und ſchoͤn auf den Lehmwaͤnden.

Will man es daran wenden, ſo iſt's des Abſtoſſens wegen beſſer, die Waͤnde mit Papier zu uͤberziehen, welches durch einen Kleiſter von Roggen⸗Mehl, der mit duͤnnen Leimwaſſer angemacht iſt, aufgeklebt wird, jedoch auf den bloßen Lehm, das iſt, es muß noch keine Kalkweiße auf die Mauer aufgetragen ſeyn, weil als⸗ dann der Kleiſter nicht feſt ſitzt, auf dem Papier kann alsdann mit Erdfarben gemahlet werden*).

*) Ein Gutsbeſitzer aus Mecklenburg, der in vorgedachter Art, ein herrſchaftliches Wohnhaus gebaut hat, ſagte mir daß er das Papier mit Oelfarbe haͤtte anſtreichen laſſen, wodurch der Vortheil erhalten worden, daß die Waͤnde mit einem feuchten Schwamm von den uUnreinigkeiten der auf

4 dem Lande ſo haͤufig vorhandenen Fliegen, gereinigt werden koͤnnten.

Daß die Lehmwaͤnde ſehr geſchwinde trocknen, und daß hinfolglich damit auf⸗

3 gefuͤhrte Gebaͤude, ohne alle Gefahr fuͤr die Geſundheit ſo gleich bezogen werden

koͤnnen, beſtaͤtigen alle Erfahrungen, auch der oͤkonomiſche Vortheil dieſer Bauart gegen die mit gebrannten Ziegeln bedarf wohl keiner Auseinanderſetzung, wenn man nur erwaͤgt, daß Lehmerde, die zu ungebrannten Ziegeln gut iſt, die aber deshalb noch nicht allemahl zu gebrannten Ziegeln tauglich ſeyn wuͤrde, aller Orten gefunden wird; daß das Holz oder anderes Material zum Brennen der Ziegel und der Kalkmoͤrtel erſparet wird. Mißtrauen, Bedenklichkeiten und wer weis was ſonſt fuͤr Urſachen werden indeſſen wie gewoͤhnlich gegen alles neue, noch lange gegen einen ſo weit umfaſſenden Gebrauch der getrockneten Lehmziegeln kaͤmpfen.

Das ſey denn dahin geſtellt; nur wuͤnſchte ich, daß wenn man in dieſen zwar ſchon durch Beiſpiele beſtaͤtigten Vorſchlaͤgen noch etwas zu Gewagtes finden ſollte, doch die Anwendung der Luftſteine zu Scheidewaͤnden und Brandmauern allgemeiner, ja daß folgende Vorſchlaͤge durch obrigkeitliche Befehle zur Ausfuͤh⸗ rung gebracht wuͤrden..-

Haͤufige Erfahrungen haben nemlich gelehrt, daß, viele Feuersbruͤnſte durch die ſchlechte Anlage der Feuerungen, das iſt, wenn Vorgelege, Feuerheerde, Kamine, und Oefen, nicht genugſam von den Holzwaͤnden und andern brennbaren Stuͤcken in den Gebaͤuden entfernt waren, entſtanden ſind.

Dergleichen fehlerhafte Anlagen exiſtiren nicht nur haͤufig, ſondern ſie werden noch taͤglich zur Erſparung der Koſten, fuͤr die faſt an allen Orten ſehr

theueren gebrannten Ziegel gemacht. Billig ſollte daher der Entwurf zu jedem,

auch auf ganz eigene Koſten des Beſitzers aufzufuͤhrenden Gebaͤude von der Obrig⸗ keit, in Ruͤckſicht auf die Feuerſicherheit gepruͤfet, auch in den ſchon vorhandenen