Teil eines Werkes 
[Des ersten Bandes Erstes Stück] (1783)
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Folglich wenn man gemeine Luft, einige Zeit uͤber reinen Waſſer ſtehen laͤßt; ſo wird ſie verringert wer⸗ den, indem der reinere Theil meiſtens durch das Waſſer eingeſchluckt wird: und das Ueberbleibſel wird aus einem ſo großen Verhaͤltniß von pflogiſtiſirter Luft beſtehen, daß kein Licht darin brennen will(1. Pr. 158.4. Pr. 353) Herr Scheele trieb den Theil, wel⸗ chen das Waſſer eingeſchluckt hatte, wieder aus, und fand ihn depflogiſtiſirt. Er fand auch, daß pflogiſti⸗ firte Luft uͤberall nicht vom Waſſer eingeſogen wird.

Hieraus ſehen wir, warum die ganze Maſſe von gemeiner Luft, nie in fixe Luft verwandelt werden koͤnne; denn kein Theil derſelben wird ſich mit Pflo⸗ giſton vereinigen, auſſer der depflogiſtiſirte,(welcher nie uͤber ein Drittel des Ganzen ausmacht.) Dieſes hat Herr Scheele entſcheidend bewieſen, indem er die Schwefelleber einer Miſchung von pflogiſtiſirter und depflogiſtiſirter Luft ausſezte; die Miſchung war in demſelben Verhaͤltniß verringert, als ſie depflogi⸗ ſtiſirte Luft enthielt, und nicht mehr.(Scheele §. 43.)

Pflogiſtiſirte Luft iſt alſo nicht das gewoͤhnliche Produkt gemeiner pflogiſtiſcher Prozeſſe, ſondern das pflogiſtiſirte Ruͤckbleibſel, welches nach ſolchen Prozeſſen gefunden wird, muß vorher vorhanden ge⸗ weſen ſeyn. Man kann dies offenbar aus dem Er⸗ folge der Miſchung von Salpeter und ſehr reiner depflogiſtiſirter Luft ſchließen: denn beynahe das Ganze der leztern wird in Luft verwandelt, welche

durch Waſſer verzehrt wird, und Kalch niederſchlaͤgt, wie