Teil eines Werkes 
2 (1828) Wirthschafts-Plane und Entwürfe für die Rochsburgischen Wirthschaften für die Jahre 1803-1825 : nebst nachträglichen Bemerkungen über den Gang derselben in der letzten Zeit bis zu und nach dem Tode des Grafen Schönburg vom Herausgeber
Entstehung
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uͤber die Rochsburger Wirthſchaften. 299

ganz unmoͤglich, zu glauben, daß der Graf jemals andre, als von ſeiner eignen conſtanten Mutterheerde zugezogene, am We⸗ nigſten daß er dicht- und kurzwollige Negretti⸗-Staͤhre aus frem⸗

den Heerden, um die Wolle ſeiner Schafe dichter zu ma⸗

chen, angeſchafft und angewendet haben ſollte; wovon ich auch, wie ſchon geſagt, niemals etwas dort gehoͤrt, oder ir⸗ gend eine Spur gefunden habe, und wovon ich auch gar keine Urſache einſaͤhe, indem er nie mehr Wolle gewinnen konnte, als er von ſeinen Heerden ſchon lange immer gewonnen hatte, und uͤbrigens offenbar der Feinheit und Edelheit ſeiner Wolle geſchadet haben wuͤrde, in der ich doch niemals eine ſo nachtheilige Veraͤn⸗ derung gefunden habe. Ich weiß jedoch ſehr wohl, wie man Beides von der Rochsburger Schaͤferei behauptet, und ausge⸗ ſprengt hat, theils aus Irrthum, theils aus boͤslicher Abſicht, wie wir ſchon im erſten Theile geſehen haben. Ueber den Preis, um den die Wolle dieſer Schaͤferei im J. 1822 und 1823 ver⸗ kauft worden iſt, weiß ich nichts zu ſagen*).

Ad) Die Triftſchaͤferei bei Lunzenau beſtand jetzt(1823) aus 900 950 Stuͤck, worunter 350 Stuͤck Mutterſchafe: und ihre ſaͤmmtlichen Staͤhrlaͤmmer wurden jetzt gehammelt, und ſie erhielt ihre Zuchtſtaͤhre von der Stamm ſchaͤferei.

*) Ju Rückſicht des Schwemmens oder Waſchens der Schafe fand ich jetzt 1823 auch eine andre Einrichtung, als ich ſie im zweiten Bande meines Handbuchs der größern Viehzucht, aus der frühern Zeit her, beſchrie⸗ ben habe.

Die Schafe wurden des Nachmittags 4 Uhr in der gewöhnlichen Schwemme im Berthelsdorfer Teiche eingeweicht, indem man ſie in die⸗ ſen von oben hineinſpringen, und ganz durchſchwimmen ließ, wie ſonſt. Den andern Morgen um 6 Uhr aber wurden ſie dann eigentlich gewa⸗ ſchen; indem man ſie wieder von oben herabſpringen(und ſich tüchtig dabei beſprudeln), und nun durch Leute mit Krücken untertauchen, und dann nur durchſchwimmen ließ. Dies wurde dann nach 3 Stunden nochmals wiederhohlt; und ebenſo des Nachmittags noch eing oder, wenn man es nöthig hielt, auch wohl noch zweimal. Auf dieſe Weiſe weichte

ſich der Schmutz völlig auf, und gieng meiſt beim dritten Mal ſchon gänzlich weg. Man ſah dies auch daran, daß der Teich ſtets ſehr ſchmutzig ward, woher denn auch im andern Jahre die Fiſche darin kre⸗ pirten, weil zuviel darin geſchwemmt worden war.