12 Geſchichte und Darſtellung der Wirthſchaften
freundlichen und wohlmeinenden Herrn, aßen an ſeinem Tiſch, und ſtanden ſich auch ſonſt recht ſehr gut*). Gegen faule, un— gehorſame, widerſpenſtige und untaugliche Leute und Arbeiter wurde er indeß auch leicht und heftig aufgebracht, ohne jedoch ſeiner natuͤrlichen großen Gutmuͤthigkeit fuͤr immer ganz zu vergeſſen.
Am 26ſten November des Jahres 1786 war es denn alſo, wie wir ſchon oben bemerkten, wo der Graf Heinrich Ernſt mit ſeinem Bruder Heinrich Wilhelm Ernſt die Herrſchaft Rochsburg gemeinſchaftlich uͤbernahm und ſeine Laufbahn als ausuͤbender Landwirth antrat, und 30 Jahre ſpaͤter beſaß er ſie allein, da dieſer ſein Bruder im Juni 1816 ſtarb. Er theilte ſich, wie ſchon geſagt, in ſaͤmmtliche Felder und Wieſen mit ihm, und ſo kamen auf ſeinen Antheil an erſtern im Ganzen nur 78 ſaͤchſiſche Acker à 300 ◻¶Ruthen, alſo eine ſehr kleine Grundflaͤche, die er aber gleich aufs Beſte bearbeiten, und mit dem auf ihn kommen— den Theil des Schafmiſtes der gemeinſchaftlichen Schaͤferei, und, ſo viel ich weiß, auch mit dem, von dem zuerſt auch von ihm gehaltenen, Rindvieh gewonnenen Duͤnger, ſo wie durch Raſen— und gruͤne Duͤngung moͤglicſt bekraͤftigen ließ, mit Klee und anderm Futter in der Brache ſtark beſaͤete, und ſehr bald zu einem beſſern Ertrag brachte.
Im Jahr 1792 kaufte er, nachdem er ſich mit der Prin— zeſſin von Carolath⸗Schoͤnaich aus Schleſien verheirathet hatte, das, unter Rochsburgs Herrſchaft ſelbſt als Vaſallengut, nach oben, gehoͤrige, kleine Rittergut Berthelsdorf, welches nur durch den Muldeſtrom davon getrennt iſt, und nachher, incl. der noch dazu gekauften Bauerlaͤndereien, ungefaͤhr 115 Acker Feld, 20 Acker Wieſe, 40 Acker Holz und einige Acker Teiche beſaß; und im Jahr 1795 oder 1796 hatte er, unterſtuͤtzt durch das, von ſeiner im Jahr 1795 verſtorbenen Gemahlin ihm hinterlaſſene, bedeutende Vermoͤgen, das große Rittergut Gosda in der Nieder—
*) Außer ganz freier Station, Wohnung, Tiſch, Holz, Licht, Früh⸗ ſtück und Wäſche, gab er 150 Rthlr. Gehalt, und beim Erbau des achten Korns in der Winterfrucht 50 Rthlr. Prämie, eben ſo viel, wenn der Acker Rübſen im Durchſchnitte 80 Rthlr. brachte, und wenn die Schafe, incl. Lämmer, 3 Pfund Wolle pro St. gaben.
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