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Ueber den gegenwärtigen Stand der Merinos-Schaaf-Zucht ... besonders in Europa : nebst einer kurzen Darstellung des gegenwärtigen Ganges des Woll-Handels / von J. Ph. Wagner
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56 XII. Die nunmehrigen Grundſaͤtze u. Erfahrungen

weder in Schriften beruͤhrt, noch ſonſt allgemein bekannt, eine ſogenannte maſtige oder magere Futterung als Ge genſatz ausgenommen, und was ſonſt offenbar in die Augen fiel, ohne die entfernteren Urſachen davon zu kennen. Es koſtete mir daher viele Muͤhe und lange Zeit, bevor ich zwiſchen den Verſchiedenheiten der Nah rung und ihren Wirkungen auf die Wolle den wahren Zuſammenhang einſehen lernte, beſonders da mir nicht allenthalben die vorhergegangenen Umſtaͤnde treulich an gegeben wurden. Erſt durch meine muͤndlichen und ſchriftlichen Mittheilungen wurde man darauf aufmerk⸗ ſamer, und nunmehr iſt die Geſtalt des Haares mit dem Durchmeſſer beider in ihren Abweichungen als ein zu verlaͤſſiges Merkmahl der Nahrung und als eine ſichere Richtſchnur fuͤr die Wollzucht anerkannt.

Die Art der angemeſſenen Nahrungsmittel wird

bedingt durch die Natur des Koͤrpers. So ſind z. B.

Kohl- und Ruͤbenblaͤtter wegen ihrer ſtark blaͤhenden Eigenſchaften fuͤr Merinos-Schaafe gar nicht anwend bar. Milch von bloßem Kleeheu macht ſteife Laͤmmer. Nach Kartoffeln entſteht leicht Verlammung. Koͤrner nehmen im Magen zu wenig Raum ein; abgedroſchenes Wickenklee- und Buchweizen⸗Stroh nebſt Kaff enthalten in einem großen Umfange zu wenig Naͤhrſtoff.

Die erforderliche Nahruugs-Menge wird bedingt

einmal durch das Beduͤrfniß des Koͤrpers, und alsdann 1

durch die Erforderniſſe der Wolle. Beide erfordern eine gleichzeitige Beruͤckſichtigung. Wenn auf der einen Seite Koͤrper und Wolle keinen Mangel leiden duͤrfen, ſo kann auf der andern Seite ein gewiſſes Uebermaaß von Nah rung beiden Theilen ſchaͤdlich werden. In dieſen Ruͤck ſichten giebt es zwei entgegengeſetzte Graͤnzpunkte fuͤr

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