52 XII. Die nunmehrigen Grundſaͤtze u. Erfahrungen
der Fall iſt. Daß aber bei der Umwandlung der Nah— rung im Innern eines Koͤrpers die Spuren ihrer Be⸗ ſtandtheile zu erkennen bleiben, bezeugen unter Andern Tiedemann und Gmelin. Auf eine Menge von Verſuchen haben ſie die Beſtandtheile der in den Magen gekommenen Subſtanzen im Blute der Pfort-Ader an Geruch, Farbe und chemiſchen Beſtandtheilen wieder er— kannt. Wie ließe ſich demnach noch bezweifeln, ob die verſchiedenen Nahrungs-Subſtanzen einen verſchiedent— lichen Einfluß auf die Haarbildung aͤußern koͤnnten, wenn uns auch nicht die Erfahrung ſelbſt ſo anſchaulich davon uͤberzeugte. Man vergleiche indeſſen nur die letzte Butter der Winter-Nahrung mit der erſten einer uͤppigen Gras⸗Nahrung. Auch iſt es kaum noͤthig an das Faͤr⸗ ben der Butterblume zu erinnern. Welcher Unterſchied iſt nicht ebenfalls zwiſchen dem Geſtruͤppe von Haaren eines Pferdes auf einer ſumpfigen Wieſen-Weide und der glaͤnzenden Decke eines mit Hafer genaͤhrten! Nicht minder bemerklich macht ſich eine Verſchiedenheit der Nahrung nach Art und Menge an der Wolle und am Schweiße des Schaafes. Geſtalt, Laͤnge, Durchmeſſer, Schein, Kraͤfte und Schwere geben bald einzeln, bald in Verbindung augenfaͤllige Beweiſe davon. Dieſe Beob⸗ achtungen wuͤrden aber theils nur unvollkommen, theils gar nicht moͤglich ſein, wenn das Haar, gleich einer lebenden Pflanze ſich vom Umlauf der Saͤfte naͤhrte. Dieſes iſt aber nicht richtig, ſondern es wird hervorge⸗ ſchoben, wie bei der Spinne; der Durchmeſſer nimmt zu und ab nach Verhaͤltniß des Zufluſſes der Saͤfte, und die ſubtilſte Verkleinerung deſſelben auf irgend einer Stelle wird nicht wieder durch eine nachherige Verſtaͤr⸗ kung der Nahrung gehoben; ſondern die duͤnnere Stelle des Haares bleibt, wie ſie war, und der wieder dicker
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