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Der Hopfenbau und die neuesten Entdeckungen hierinn um sich jährlich eine sichere Hopfenärndte zu verschaffen, und den Mißwachs zu verhüten : wie auch die Beschreibung aller Arten Hopfen und die Kennzeichen des guten und verdorbenen Hopfens, so wie die Kundgebung sicherer Merkmale, um den Hopfen ohne Siegel und Zuge zu erkennen ; für Bierbrauer und Landwirthe ; mit den illuminirten nach der Natur gezeichneten Abbildungen der vier Arten Hopfen / von Jacob Ernst von Reider
Entstehung
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aber ſieht nicht auf Siegel*) und nicht auf den Hopfenhaͤndler, ſondern auf die Waare ſelbſt, welche er ſach⸗ gemaͤß unterſucht, und nach ihrem Werthe zu beurtheilen verſtehet. Verſtehet aber ſolches der Brauer, ſo haben die Kuͤnſte der Hopfenhändler ſogleich ein Ende. So preißen die Hopfenhaͤndler ihren Hopfen als Spalter oder Boͤhmerwaare dem Brauer an. Am Ganzen wird die Zuͤge gleich als Hopfen mit im Ge⸗ wicht angerechnet. Der Hopfen iſt mit alter oder geringerer Sorte gemiſcht, das Ganze oͤfters noch geſchwe⸗ felt, manchmal mit fein zerſtoßenem Pech, oder gar feinem gelblichen Sandſtaube vermiſcht. Dieſer Hopfen wird um den theuerſten Preiß gegeben, reſp. verborgt, welchen der Hopfen im ſelbigen Jahre erreicht. Gegen alles dieſes kann ſich der Brauer in folgender Art ſicher ſtellen:

Dem vernuͤnftigen Brauer iſt es gleichguͤltig, wo der Hopfen her iſt, wenn der Hopfen nur Saamenſtaub⸗ mehl und Oehl, weshalb derſelbe ja gebaut wird, noch in noͤthiger Menge enthaäͤlt, hierauf allein muß bey der Unterſuchung des zum Kaufe angebottnen Hopfens das Augenmerk gerichtet werden. Hiernach nimmt er aus der angebottenen Hopfenzuͤge oben, unten, in der Mitte uͤberall ein Haͤuſchen Hopfen heraus, und legt ſolche Haͤuſchen, ohne ſie zu vermiſchen, nebeneinander auf den Tiſch vor ſich hin, und unterſucht, ob ſolche eine gleiche Farbe haben. Sind alle Trollen ganz, und haben eine gläͤnzende hellgelbe Farbe, ſo iſt der Hopfen friſch und ſehr gut, vorzuͤglich wenn er noch laut riecht. Iſt aber der Hopfen von ungleicher Farbe, und beſteht meiſtens oder ganz aus gruͤngelbligten Trollen, ſo iſt ſolcher ſpaͤter aber guter Hopfen. Hat dieſer Hopfen aber mitunter hellgelbe große Trollen, ſo iſt ſolcher mit der fruͤhen Art vermiſcht, ſo wie der Spalter, Hersbrucker und Altdorfer beſte Art. Je mehr nun ſolche hellgelbe Trollen darunter ſind, um ſo ſchoͤner iſt die Farbe des Ganzen, und daher um ſo beſſer der Hopfen. Große und viele rothe Trollen darunter, zeugen ſchon von einem Mangel des Hopfens und wenn der Hopfen deshalb auch noch nicht ſchlecht iſt, ſo kann er doch nicht als aͤcht angeſprochen werden, Siegels, der Zuͤge, und des Hopfenhaͤndlers ohngeachtet. Gut getrockneter rothrebigter Hopfen, wenn deſſen Trollen erhalten ſind, welche noch vor der Reife abgenommen worden ſind, läßt ſich dann nicht durch die Farbe, ſondern durch den Geruch, Art des Hopfenmehls, zum Theil Geſtalt, von der beſſern Art unterſcheiden und erkennen. Von den ſpaͤten Arten aber unterſcheidet er ſich durch Geſtalt und Farbe auſſallend. Sind aber die Trollen ſtark zerriſſen, und haben dieſelben und die Blaͤttchen eine rothbraune Farbe, und iſt derſelbe nicht ganz rein, vorzüglich wenn viele Bläͤttchen eine mattgelbe Farbe haben, ſo hat der Hopfen einen beſondern Mangel, und man muß darauf ſehen, ob nicht alter, oder rothre⸗ bigter, oder bodenrother Hopfen darunter iſt. Den rothrebigten Hopfen erkennt man leicht an ſeinen großen rothbraunen Trollen mit dunklen Stielen. Den bodenrothen Hopfen aber daran, daß deſſen Farbe ins ſchwaͤrz⸗ lichte geht, und die Stiele ſchwarzgrau, wie bereift, ſchimmlicht, ausſehen. Der alte Hopfen iſt ſelten ganz, beſtehet meiſt aus Blaͤttern und hat eine matte blaßgelbe Farbe, in den Trollen wird dann der Saamenſtaub roth, ſtatt gelb, und nimmt ſchon im dritten Jahre einen etwas ſauern Geruch an. Nach der Farbe des Saamenſtaubs kann man das Alter des Hopfens ſuͤr 3 4 Jahre erkennen. Späaͤter dann nicht mehr. Aller alter Hopfen iſt weniger werth, als friſcher. Selbſt der beſte Hopfen verliert ſchon im andern Jahre ꝛtel, oft ötel ſeines innern Gehaltes. Doch kömmt hiebey gar viel auf die Art, Jahrgang, Behandlung des Hopfens c. au. Hopfen läßt ſich zehn Jahre aufbewahren, iſt aber dann freylich wenig mehr werth, weil deſſen beſte Ei⸗

*) Anmerkung. Man muß das Hopfengewaͤchs nicht mit dem Weinſtocke in eine Katechorie ſtellen. Der Weinſtock ge⸗ boͤrt dem Auslande an, dagegen waͤchſt der Hopfen bey uns wild. Deſſen Veredlung iſt daher in ganz Deutſchland im nemlichen Grade moͤglich, der Unterſchied von Stadt, und Landhopfen in den bisher beruͤhmten Hopfenorten iſt nur allein in der Art, Kultur, und aufmerkſamen Behandlung begruͤndet. Wie arg aber bisher Siegel und Ort taͤuſchten, er⸗ kennt der, welcher einige Zeit in einem ſolchen beruͤhmten Hopfenort gewohnt, und das alles mitgemacht hat. Man darf immer annehmen, daß in ſolchen Orten wenigſtens die Haͤlfte ſo betitelten Landhopfens als Stadtgut geſiegelt, und dafuͤr verkauft wird, ſo geſchieht es in Spalt in Altdorf in Hersbruck. Der dumme Brauer nur laͤht ſich das Siegel unter die Naſe ſtoßen, um ſo leichter iſt er anzufuͤhren.

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