Druckschrift 
Der Hopfenbau und die neuesten Entdeckungen hierinn um sich jährlich eine sichere Hopfenärndte zu verschaffen, und den Mißwachs zu verhüten : wie auch die Beschreibung aller Arten Hopfen und die Kennzeichen des guten und verdorbenen Hopfens, so wie die Kundgebung sicherer Merkmale, um den Hopfen ohne Siegel und Zuge zu erkennen ; für Bierbrauer und Landwirthe ; mit den illuminirten nach der Natur gezeichneten Abbildungen der vier Arten Hopfen / von Jacob Ernst von Reider
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12

genſchaften das Oehligte, und der Saamenſtaub ſich nach und nach ganz verlieren, und nur leere Blaͤtter zu⸗ ruͤckbleiben. Darinn wird eigentlich der groͤßte Unterſchleif getrieben, daß jedesmal unter ſchoͤnen friſchen Hopfen eine Parthie alten Hopfens gemiſcht wird. Daher der meiſte Hopfen der Hopfenhaͤndler ſo zerriſſen, blaͤtterigt, ausſieht. Am beſten iſt der Hopfen, wenn man eine Handvoll aus der Züge nimmt, und ſolcher beſteht aus Ijauter lichtgelben Trollen mit gruͤnen Stielchen, und lautem Geruch, und wenn man ihn zuſammendruͤcket, er ſchnell wieder auseinander gehet. Iſt der Hopfen aber hellroth und hat doch einen lauten Geruch, und keine ſchwarzen Stiele, ſo iſt derſelbe nur ſtangenroth, und kann immer ein friſcher guter Hopfen ſeyn. Ob der Hopfen mit Sand oder Pech gemengt iſt, bemerkt man, wenn man die auf den Tiſch gelegten Haͤuflein aus⸗ klopft. Hopfen, welcher geſchwefelt iſt, bringt man auf eine Kohlenpfanne, wo ſich uber den Kohlen der Geruch des Schwefels alſobald verrathet. Den Hopfen muß man ſich bey trocknem Wetter vorwiegen laſſen. Um Hopfen ſelbſt kennen zu lernen, und ihn ganz genau wuͤrdigen und verſtehen zu lernen, muß man alle vier Arten, oder wenigſtens jene drey ſelbſt bauen, von jeder Art ein paar handvoll rein abpfluͤcken, kunſtge⸗ recht trocknen, und dann ſolche nebeneinander hinlegen, auch einen Theil miteinander vermiſchen. Dieſe Proben aber einige Jahre ſo, gegen Staub geſichert, aufbewahren. Bey dieſer augenſcheinlichen Probe werden dann jene angeprießenen Siegel und Zuͤgen nicht weiter das alte Vorurtheil von Land⸗ und Stadthopfen, von Böhmer, Spalter oder Hersbrucker Hopfen, nur als aͤchten Hopfen ſich aufdringen zu laſſen, unterhalten. Sondern jeder, welcher ſeiner fuͤnf Sinne maͤchtig iſt, wird jeden ihm angebottenen Hopfen hienach auf das genaueſte beurtheilen koͤnnen. Hieraus wird ſich aber die Ueberzeugung dann von ſelbſt ergeben, daß man den Hopfen in Boͤhmen wie in Nuͤrnberg, in Bamberg wie in Muͤnchen, in Dres⸗ den wie in Spalt, und um Berlin wie in Hersbruck von nenlicher Guͤte und in gleicher Menge ſtets nur rein und aͤcht erbauen wird, wenn man dieſe Arten baut, und wie ange⸗ geben kultivirt, und behandelt.