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Der Hopfenbau und die neuesten Entdeckungen hierinn um sich jährlich eine sichere Hopfenärndte zu verschaffen, und den Mißwachs zu verhüten : wie auch die Beschreibung aller Arten Hopfen und die Kennzeichen des guten und verdorbenen Hopfens, so wie die Kundgebung sicherer Merkmale, um den Hopfen ohne Siegel und Zuge zu erkennen ; für Bierbrauer und Landwirthe ; mit den illuminirten nach der Natur gezeichneten Abbildungen der vier Arten Hopfen / von Jacob Ernst von Reider
Entstehung
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Doch iſt derſelbe ſelten, und findet ſich nur in heißen Jahren z. B. 1811. Er iſt aber niemals total, ſondern trifft nur einzelne Lagen, ja meiſt nur einzelne Stoͤcke.(Ob daher die Krankheit nicht ſchon in der Pflanze lieget?)

Die Hopfenſtoͤcke ſelbſt gehen entweder aus, oder kraͤnkeln Letztere erhohlen ſich aber leicht wieder.

Dieſe Röthe iſt aber ganz verſchieden von dem ſogenannten Stangenroth. Solches entſteht, wenn der Hopfen im uͤberzeitigen Zuſtande an den Stangen bleibt, und vorzuͤglich, wenn fruͤhe ſtarke Reife bey heller warmer Witterung den Hopfen an den Stangen treffen. Allein dieſe Roͤthe ſchadet dem innern Gehalte des Hopfens gar nichts, und in Hersbruck wird ſolcher Hopfen beſonders ausgeſucht, und allda verbraut.

Man hat ſolchen aber deshalb nicht gerne, weil er dem Hopfen durch ſeine grelle hellrothe Farbe ein un⸗ gleiches Anſehen giebt, welches den Kaͤufer abſchreckt. Dieſes Stangenroth aber iſt ſehr weit von dem ſoge⸗ nannten Bodenroth des Hopfens verſchieden.

Stangenroth iſt nemlich ein glaͤnzendes hellroth, dagegen Bodenroth iſt dunkelroth und faͤllt ins Schwaͤrz⸗ liche. Bodenroth iſt eine Verderbniß, uͤberhaupt eine Mangelhaftigkeit des Hopfens, denn ſolcher bodenrother Hopfen bleibt allerdings ſchlecht, und verdorben. Er wird zulezt grau, ſelbſt ſchwaͤrzlich, und theilt dem Biere einen ſchimmlichten Geſchmack mit. Auſſer der Farbe erkennt man denſelben ſchon an ſeinem fauligten und ſchimmlichten Geruch, und wird uͤberhaupt als verdorbener Hopfen betrachtet. Wenn derſelbe endlich grau⸗ ſchwaͤrzlich geworden iſt, ſo heißt er ſtengelgrau weil der Stiel der Trolle ganz ſchwarzgrau ausſieht. Dann iſt er aber ſchon ſehr ſchlecht.

Solches Bodenroth entſtehet, wenn der Hopfen nicht gehoͤrig getrocknet und gedoͤrrt worden war, wenn er zu dicht aufeinander laͤngere Zeit liegt, oder unausgetrocknet in Zuͤgen gepackt worden iſt, wenn es darauf geregnet hatte, uͤberhaupt iſt Naͤſſe die Urſache dieſes Verderbens, welches vorzuͤglich bey naſſer Aerndtewitte⸗ rung bey dem Mangel an Trockenboͤden der Fall iſt. Selbſt wenn der von den Stangen abgenommene Hopfen auf Buͤſcheln laͤngere Zeit liegen bleibt, ſo erhitzt ſich derſelbe, und wird gleichfalls roth, doch ſchadet ſolches dem innern Gehalte deſſelben nicht.

Solcher naſſer oder unausgetrockneter Hopſen erhitzt ſich, gehet dann in eine ſchnelle Gaͤhrung uͤber, wird dumpfig, ſchimmlicht, verbrennt. Wird aber dieſe Gaͤhrung unterbrochen, durch Ausbreiten, Wenden, Trocknen des Hopfens, ſo wird dem Verderben geſteuert. Allein es koͤmmt nun darauf an, wie weit das Verderben ſchon vorgeruͤckt war. Man kann ſolchen verdorbenen Hopfen nicht mehr gut machen; deshalb ſchwefelt man denſelben, welches zwar die graue und rothe Farbe mindert, ja den Trollen eine gelbe aber matte Farbe mit⸗ theilt, an dem innern verdorbenen Gehalte aber nichts beſſert. Man ſagt von ihm: er hat Saft und Kraft verloren. Dieſe Verderbniß iſt deshalb ſo gefaͤhrlich, weil man ſolche nicht gleich bemerkt, denn ſolcher Hopfen ſieht aͤußerlich noch glaͤnzendgelb aus, waͤhrend er im Innern ſchon ganz grauſchwarz iſt, ſo mit dem Hopfen auf dem Boden, und eben ſo mit jenem in Säcken gepackten. Daher iſt es Regel allen Vorrath von Hopfen von Zeit zu Zeit umzupacken, oder zu wenden.

Eine andere Krankheit iſt der ſchwarze Brand. Reben, vorzuͤglich die Spitzen derſelben, und die Blaͤtter werden ganz ſchwarz, als wenn ſie mit Ruß uͤberſtreut waͤren, ſchrumpfen zuſammen, und verkuͤmmern am Stocke. Solcher trifft aber nur die Hopfenſtoͤcke, wenn Reben und Blaͤtter noch jung und zart ſind, und noch vor der Bluͤthe. Er verdirbt aber nicht den Stock, ſondern ein ſolcher Stock erhohlt ſich wieder, und giebt noch einen genuͤgenden Ertrag, wenn nicht anders die Witterung zu ſchlecht wird. Deshalb finden ſich nur einzelne Stoͤcke, welche hievon befallen ſind, und haben ſomit auf den Aerndteertrag nur den geringſten Einfluß. Wie dieſer ſchwarze Brand entſtehe, und die Urſachen hievon ſind noch nicht entdeckt worden. Beſondere Lagen, vorzuͤglich in engen Thaͤlern nahe am Waſſer, und hiebey feuchte Witterung, ſcheinen ſolchen hie und da zu veranlaſſen. Fleißige Kultur, dann der Luftzug, ſo wie heitere warme Witterung, ſetzen dem weitern Vor⸗ ſchreiten ein Ziel. Wahrſcheinlich entſteht der ſchwarze Brand durch gewiſſe Inſekten, und dauert nur ſo lange, bis deren Verwandlung voruͤber iſt.