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Die Krankheiten und Feinde, welchen der Hopfen unterliegt.
Der aͤrgſte Feind bleibt immer unguͤnſtige Witterung, welche dann allgemeinen, oder wenigſtens theil⸗ weiſen Mißwachs herbeyfuͤhren kann. Aber nicht anhaltende Naͤſſe, und nicht anhaltende Trockenheit veranlaßt den Mißwachs, ſondern einzig der ſchnelle Wechſel der Lufttemperatur. Denn der Hopfen iſt ein durch Kultur und vielen Dung verzaͤrteltes und gewaltſam herangetriebenes Gewaͤchs, welches daher um ſo empfindlicher
gegen jede aͤuſſere Einwirkung iſt. Iſt nun der Hopfen in dem durch vielen Dung erhitzten Boden ſchnell heran⸗
gewachſen, und voll Safts, in den durch Waͤrme ausgedehnten und deshalb verlaͤngerten Gefaͤßen, und die Luft wird ſchnell kalt, ſo geht der hervorgelockte Pflanzenſaft bis zur Wurzel zuruͤck, und die aͤuſſern Theile, die Spitzen der Reben und Bläͤtter vertrocknen, und verderben endlich, weil ſie ohne Leben ſind. Haͤlt nun kalte Witterung an, ſo ſtockt das ganze Wachsthum der Pflanze, und die einzelnen Theile, wenn ſie nicht auf⸗ einmal durch Heftigkeit des Froſtes ſchon verdorben waren, erhohlen ſich wieder nach und nach, behalten aber immer einen Mangel. Nur folgende ſukzeſſive feuchtwarme Witterung bringt den Organismus wieder in Ord⸗ nung, und der Hopfen kann ſich dann wieder vollkommen erhohlen. Folgt aber auf Warme— ſchnell ſtarke
Kaͤlte, und hierauf wieder eben ſo ſchnell ſtarke Waͤrme, dann wird die Pflanze erhitzt, die Saͤfte gaͤhren
ſchneller, daher die Pflanze ſtark ausduͤnſtet. Das nemliche erfolgt, wenn auf warmen Taͤgen kuͤhle Näͤchte ſolgen. Scheint nun die Sonne, ſo glaͤnzen die Bläͤtter als wenn ſie mit Firniß uͤberzogen wären. Daher die Honigthaue. Dauert eine ſolche Witterung laͤnger an, ſo erzeugen ſich Mehlthaue, und dann ſchnelles Verderben der Pflanzen, vorzuglich, wenn trockne rauhe Witterung anhaͤlt. Faͤllt aber feuchtwarme Witte⸗ rung oder nur naſſe Witterung ein, dann wird der Honig⸗ und Mehlthau wieder abgewaſchen, die Pflan⸗ zenpori wieder geoffnet, und die Vegetation erſezt dann den erlittenen Mangel von ſelbſt wieder ſchnell. Der Honigthau, und die Verderbniß der einzelnen Pflanzentheile aber hat die ohnedem auf der Hopfen⸗ pflanze in Menge befindlichen Blattläuße in ungeheurer Menge hervorgelockt, welche dann auch noch die von der Witterung verſchont gebliebenen Theile zerſtoͤren. Viele wollen die Pflanzen dadurch retten, daß ſie alle Blaͤtter abnehmen, allein ſolches hilft nichts, denn der ohnedem kranke Stock muß neue Blaͤtter treiben, und erſchoͤpft ſich hiedurch gaͤnzlich, daß er keine Frucht mehr bringen kann. Hiegegen hilft kein Mittel. Auch nicht das Abſchuͤtteln oder Abwaſchen ꝛc. der Pflanzen. Hat dieſes Uebel die Pflanze vor der Bluͤthe getroffen, ſo erhohlt ſie ſich ganz gewiß bis zur Bluͤthe von ſelbſt wieder, und liefert immer noch eine Aerndte, hat aber freylich dieſes Uebel die Pflanze in der Bluͤthe ſelbſt getroffen, dann iſt totaler Miß⸗ wachs vorhanden. Bluͤht daher der Hopfen ſpaͤter, z. B. im Juli, ſo wie jener Späte, welcher erſt um Jakobi, wie man ſagt, anfliegt, wo die Witterung ſchon gleicher und anhaltender iſt, ſo kann denſelben auch kein totaler Mißwachs mehr treffen. Und hierinn liegt das Geheimniß— jeden totalen Mißwachs des Hopfens zu vermeiden, wenn man nur die ſpaͤtern Arten pflanzet, die Stoͤcke aber nicht zu alt werden laͤßt, und keine kranken Stoͤcke in der Anlage duldet. Noch ſicherer geht man aber, wenn man Hopfen in verſchiedenen entgegengeſetzten Lagen anlegt, da oͤfters nur eine Lage von der Witterung ge⸗ troffen wird, die andere aber verſchont bleibt.
Spaͤterhin im Jahre von Johannis angefangen, iſt die Witterung gleichfoͤrmiger und anhaltender, auch weniger kalt und kuͤhl. Spaͤtere Froͤſte oder Reife z. B. im September, ſchaden aber dem Hopfen nicht.
Eine aͤuſſerſt gefaͤhrliche und zerſtoͤrende Krankheit des Hopfens iſt der Kupferbrand.
Die Reben und Hopfentrollen werden ſchnell braunroth, die Blaͤtter fallen ab, und die Pflanze verdirbt von oben herein. Blaͤtter und Trollen verdorren, und ſehen wie verbrannt aus. Solcher trifft den Hopfen bald fruͤher, bald ſpaͤter. Der fruͤhe Kupferbrand iſt allemal verderblich, bemerkt man aber ſolchen, wenn die Trollen ſchon ausgewachſen ſind, dann muß man alle befallene Stoͤcke ſchnell vom Felde bringen, und die Trollen abpfluͤcken. Es bleibt ſolcher aber immer ſchlechter Hopfen. Der Kupferbrand befaͤllt ſchnell ganze An⸗ lagen. Woher ſolcher ruͤhrt, hat man noch nicht ausmitteln koͤnnen, wahrſcheinlich auch durch die Witterung.


