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Der Hopfenbau und die neuesten Entdeckungen hierinn um sich jährlich eine sichere Hopfenärndte zu verschaffen, und den Mißwachs zu verhüten : wie auch die Beschreibung aller Arten Hopfen und die Kennzeichen des guten und verdorbenen Hopfens, so wie die Kundgebung sicherer Merkmale, um den Hopfen ohne Siegel und Zuge zu erkennen ; für Bierbrauer und Landwirthe ; mit den illuminirten nach der Natur gezeichneten Abbildungen der vier Arten Hopfen / von Jacob Ernst von Reider
Entstehung
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bey kuͤhler Witterung in Mitte September an. Der ſpaͤte Hopfen zeitiget immer erſt im halben September. Man nimmt zuerſt den fruͤhen Hopfen ab, und zwar, indem man nur immer die zeitigen Stangen ausſucht, und faͤhrt ſo mit dem ſpaͤten, und rothrebigten Hopfen fort. Vorzuͤglich hat man mit der Aerndte dieſes letz⸗ tern zu eilen, weil, wenn derſelbe ſeine Zeitigung erlangt hat, ſchnell verfliegt, wenn er uͤberzeitig an den Stangen bleibt. Man ſchneidet die Reben 2 Schuhe hoch ab, wiegt die Stange vorſichtig hin und her, um ſie locker zu machen, und hebt dann dieſelbe mit dem Hopfenſtangenheber heraus, um die Spitze nicht abzu⸗ brechen. Indem man die Stange auf die Erde niederhaͤlt, ſtreift man die Hopfenreben ab, legt die Stange in die Furche, windet den Hopfen auf einen Buͤndel, und bringt ihn ſchnell nach Hauſe. So waͤhlt man immer nur die zeitigen Stangen aus, bringt aber nie mehr Vorrath nach Hauſe, als man in 24 Stunden abpfluͤcken kann, denn, wenn der Hopfen in Buͤndeln lange liegt, ſo erhitzt ſich derſelbe, und wird roth. Vorzuͤglich muß man dann mit dem Abpfluͤcken deſſelben eilen, wenn ſolcher naß eingebracht worden war. Deshalb muß man denſelben, erſt wenn der Thau abgetrocknet und bey hellem Wetter abſchneiden. Es iſt beſſer denſel⸗ ben laͤnger an den Stangen zu laſſen, als ſolchen lange liegen laſſen zu muͤſſen. Zu Hauſe muß man die Rebenbündel an einem luftigen Orte duͤnne nebeneinander hinlegen. Ueberhaupt iſt die Hopfenaͤrndte nach Moͤglichkeit zu beſchleunigen, weshalb man ſich mit den noͤthigen Menſchen hiezu ſchon vorgeſehen haben muß. Unter denſelben werden dann die zerſchnittenen Reben ausgetheilt, und jedem Pfluͤcker aufgegeben, die Trollen genau von den Stielen abzupfluͤcken, ohne Stiele und Blaͤtter mit abzureißen, oder die Trollen zu zerreißen. Deshalb pfluͤckt jeder Pfluͤcker fuͤr ſich in einen Korb, welchen der Herr, wenn er voll iſt, ſelbſt in die Wanne ſchuttet, wo immer der Vorrath von einem Tage zuſammengetragen wird. Fruͤhe wird dann dieſe Wanne geleert, und der gepfluͤckte Hopfen auf dem Trockenboden aufgeſchuͤttet.

Die Trockenboͤden muͤſſen ganz rein, luftig, und gegen Regen geſichert, und geraͤumig genug ſeyn. Hier wird alle Tage die gepfluͤckte Quantitaͤt Hopfen ganz duͤnne, und ausgebreitet aufgeſchuͤttet und alle 24 Stunden mit einem Rechen vorſichtig gewendet, aber keine Trolle zerriſſen. Iſt die Witterung trocken, ſo duͤrret der Hopfen ſchnell, und man ſchiebet dann nur den trocknen Hopfen mit dem Rechen naͤher zuſammen, damit man Platz fur den andern gewinnt, bis er ganz trocken iſt, wo er dann auf 3 4 Schuhe längliche breite Haufen zuſammengebracht wird. Am Tage macht man die Laͤden auf, und giebt ſoviel als moͤglich Luftzug, Nachts macht man die Laͤden zu. Iſt aber waͤhrend der Aerndte Regenwetter, ſo muß man den Hopfen laͤngere Zeit ausgebreitet liegen laſſen, da er nur ſchwer trocknet. Man iſt dann mit dem Raume ſehr beengt, weshalb jene Rahme mit Bindfaden geſchnuͤrt, gute Dienſte thun, da hierauf der Hopfen ſchneller trocknet, und man ſolchen leicht, und oͤfter wenden kann, ohne ihn zu beruͤhren und zu zerreißen. Muß man daher naſſen Hopfen einbringen, ſo muß man eilen, denſelben ſogleich abzupfluͤcken, und dann recht duͤnne ausbreiten. Wird aber bey guter Witterung der Hopfen zu ſchnell zeitig, ſo nimmt man denſelben von den Stangen ab, und bringt die Rebenbündel in eine Scheune oder Gewolbe, und ſtellt ſolche nebeneinander auf den Boden hin, wo er ſich dann 5 6 Tage ſo haltet./

Der Hopfen iſt trocken, wenn er rauſchet, und in allen Theilen ſteif iſt, dann darf man ihn gleich in die Zuͤgen fuͤllen, wo er dann recht feſt eingetretten werden muß. Die Zuͤgen ſtellt man dann in eine trockene Kammer oder Gewoͤlbe, und haͤlt Sonne und Luft davon ab, bis man denſelben verkaufet.

Der in der Aerndte gut behandelte Hopfen, muß eine glänzende reine hellgelbe Farbe haben, die Trollen muͤſſen ganz, ohne Stiele und Blaͤtter ſeyn, und wenn man eine Handvoll zuſammendruͤckt, ſich elaſtiſch wieder aus dehnen, und laut riechen. Sieht aber der Hopfen roth, ſchwaͤrzlichgrau, und iſt uͤberhaupt ungleich von Farbe, und der Saame iſt ſchwarz, dann iſt der Hopfen verdorben, Wenn aber der Hopfen nur allein roth iſt, dann kann er noch gut ſeyn, denn die rothe Farbe iſt noch kein Anzeigen von Verdorbenheit, wenn anders die Farbe auch hellroth iſt. Nur wenn die Farbe dunkelroth iſt, und ins Schwaͤrzliche faͤllt, dann iſt der Hopfen ver⸗ dorben. 4