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Der Hopfenbau und die neuesten Entdeckungen hierinn um sich jährlich eine sichere Hopfenärndte zu verschaffen, und den Mißwachs zu verhüten : wie auch die Beschreibung aller Arten Hopfen und die Kennzeichen des guten und verdorbenen Hopfens, so wie die Kundgebung sicherer Merkmale, um den Hopfen ohne Siegel und Zuge zu erkennen ; für Bierbrauer und Landwirthe ; mit den illuminirten nach der Natur gezeichneten Abbildungen der vier Arten Hopfen / von Jacob Ernst von Reider
Entstehung
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Die Blätter ſind glaͤnzend dunkelgruͤn. Der mittlere Lappen tiefer eingeſchnitten. Die kleinern Bläͤtter in den Bluͤthenſtraͤußern ſind viel groͤßer, dunkler von Farbe, und ſelbſt rauher, als jene der vorigen Art, aber von derſelben Geſtalt.

Der gruͤnrebigte ſpaͤte Hopfen.

Die Reben ſind durchaus hellgruͤn die Blaͤtterſtiele lroͤthlicht an der Baſis. Reben⸗ und Trollenſtiele hin und wieder gruͤnrothlich gefleckt. Die Hopfentrollen ſelbſt ſtehen an kurzen duͤnnen weislichgruͤnen Stielen, und haben im ganzen ein zartes feines Anſehen. Die Trollen bilden ausgebreitete mehr runde Straͤußer, waran ſie gedraͤngt aneinander in auffallender Menge, gleichſam dicht gehäuft, ſtehen. Die Stiele, woran die Trollen ſtehen, ſind weitauslaufend, daher die Straͤußer zuſammengeſetzt aus mehrern einzelnen Straͤußern. Die einzelnen Trollen oder Haͤupter ſind mehr rundlich, offen, flatternd, indem die Blaͤttchen etwas abſtehen, und den gelben Saamenſtaub erkennen laſſen. Die einzelnen Blaͤttchen der Trollen ſind rundlaͤnglich, zum Theil mit einer Spitze, zum Theil mit verlaͤngerter Spitze. Die Farbe der Trollen iſt rein ſanft gelblichgruͤn, und wann die aͤuſſern Trollenblaͤttchen ſich gleichſam in Punckten roͤthlichbraun zu färben anfangen, dann quillt der viele gelbe Staub zwiſchen den Blaͤttchen hervor, und derſelbe iſt vollkommen reif. Der Staub liegt dann in glaͤn⸗ zend lichtgelben Punckten an der Baſis der Trollenblaͤttchen, und riecht ſehr laut.

Die Blaͤtter ſind vollkommen dreylappigt, jeder Lappen hat eine vorſtehende Spitze. Die Blaͤtter haben ſtachelſpitzige regelmaͤßige große Zaͤhne, welche ſie mit allen Arten gemein haben, und ſind von einer licht⸗ gruͤnen ſanftern Farbe. Die Blaͤtter zwiſchen und an den Trollen ſind gegen die Blaͤtter der andern Arten üͤberhaupt kleiner und zarter, auch heller in der Farbe laͤnglicheyrund, eben ſo gezahnt wie auch bey den andern Arten und 1 bis 1 ½ Zoll lang, bald kleiner, bald groͤßer, breiter oder ſchmaͤler.

Der rothrebigte Hopfen.

Die Reben ſind dunkelroth, ganz reinfaͤrbig, mit erhabenen blauen Streifen, auch die Blatt⸗ und Trollen⸗ ſtiele ſind ganz dunkelroth. Die Trollen ſtehen in ganz einfachen Trauben an ſehr langen Stielen, meiſt herabhaͤngend, und zwar in

beſonders langen Straͤußern. So im Auſſern ſehen ſie dem fruͤhen beſten Hopfen vor der Reife viel aͤhnlich.

Auch iſt die Farbe der Trollen mit jener ganz gleich, nur die Trollenblaͤttchen ſind viel groͤßer und ungleich⸗ artig ſehr breit, liegen aber nicht ſo feſt uͤbereinander, vielmehr ſtehen dieſelben etwas ab, daher die Trollen mehr flatternd ausſehen, und eine ungleiche rundartige viereckigte Form haben. Daher laͤuft die Trolle nicht ſpitzig wie bey der fruͤhern Art, ſondern plumprundlich zu, und eine große ausgewachſene Trolle zeiget ſich nur als ein breiter flatternder Zapfen, welcher gar keine Elaſtizitaͤt hat, ſondern, wenn man denſelben auch zu⸗ ſammendruͤckt, immer in nemlicher Form bleibt. Ruͤckt man nun die Trollenblaͤttchen von einander, ſo be⸗ merkt man in auffallender Art, gar wenig gelben Saamenſtaub, welcher in ſehr kleinen Puͤncktchen an der Baſis der Trollenblaͤttchen, in blaßgelber Farbe, daher nur in geringer Quantitaͤt ſichtbar iſt. Deßhalb rie⸗ chen die Trollen ſelbſt in hoͤchſter Reife nur ſehr geringe. Es giebt hieran 12 Zoll lange, ſehr plumpe breite Trollen, mit abſtehenden Blaͤttern, welche ſogleich mißfallen, da man dazwiſchen wenig Saamenſtaub ſieht, und nur gleich bemerkt, daß das Oehligte zu leicht verfluͤchtigen muß. Dieſe Art hat auch noch das Eigene, daß an deſſen Bluͤthenſtielen einzelne Auswuͤchſe, als Theile von Trollen hervorkommen, welche ſogar Saamen und Saamenſtaub enthalten, bald in groͤßern ſolchen Auswuͤchſen, worinn der Saamenſtaub, und ſelbſt Saame zu bemerken iſt, bald nur in ganz kleinen Auswuͤchſen, als Andeutungen einer beſondern Fruchtbarkeit.

Die Lappen der Blaͤtter ſind gleichfalls ſehr tief eingeſchnitten, das Laub aber ſelbſt, gegen jenes der fruͤhern Art, ſanft anzuſehen, und uͤberhaupt zart anzufuͤhlen. Die Bluͤthenſtkäußer ſind mit wenigen nur mittelmäßig großen Blaͤttern mit langen Spitzen beſezt⸗ gleichfalls von ſanftgruͤner Farbe, welche herzfoͤrmig, mit verläͤngerter Spitze ſind. Auch dieſe Blaͤtter ſtehen an dunkelrothen Stielen.