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Versuche und Beobachtungen über die Farben des Lichtes ... : Mit vier Kupfertafeln / angestellet und beschrieben von Christian Ernst Wünsch, Doktor der Weltw. und Heilkunde, wie auch Profess. der Mathem. und Physik zu Frankfurt an der Oder
Entstehung
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108 Verſuche und Beobachtungen

Eine ſolche Blaſe entſtehet, wenn man einen ſchmelzenden Glastropfen ploͤtzlich ſo weit aufblaͤſet, bis

die Blaſe zerſpringt, oder einen Riß bekoͤmmt, wel⸗ cher, wie leicht zu erachten, der Blaſe ſelbſt in An⸗

ſehung der Farben, gar keinen Nachtheil bringt. So lange dieſe Blaſen noch warm ſind, ſo lange nimt man noch keine Farbenringe an ihnen wahr: aber indem ſie ſich abkuͤhlen, kommen dieſelben eben ſo: wie bei den Seifenblaſen zum Vorſchein, jedoch ſind ſie ſchaͤrfer begrenzt und ſehr lebhaft. Auch dauern dieſe Farben ſo lange, als die Glasblaſen nicht in die feuchte Luft kommen. Wo dieſe aber feucht werden, da verſchwin⸗ den die Farben: denn die Feuchtigkeit ziehet vermuth⸗ lich das Alkali aus dieſem duͤnnen Glaſe heraus auf die Oberflaͤche, von welcher es durch bloße Erwaͤrmung nicht wieder abgetrieben werden kann, und abwiſchen kann man dergleichen Glasblaſen darum nicht, weil ſie der

geringſten Beruͤhrung nachgeben oder auch zugleich zer⸗

brechen.

Anfaͤnglich, wann ſich dieſe Blaſen allererſt abge⸗ kuͤhlet haben, zeigen ſie die Farbenringe, wie auch Newton ſelbſt ſagt, allerdings viel ſchoͤner und lebhaf⸗ ter, als ein paar auf einander gelegte Glaͤſer, ſo gut man dieſe auch zuſammen preſſen mag. Aber ſo leb⸗ haft und brillant, wie in einer ſoliden glaͤſernen Kugel, die ich beſitze, und welche ſonſt zu einem Kronenleuchter gehoͤrt haben mag, habe ich ſie doch lange noch nicht ge⸗ funden. Mitten durch dieſe Kugel gehet naͤmlich ein Riß, und ſelbiger bildet in der Glasmaſſe die beiden Flaͤchen,

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