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Versuche und Beobachtungen über die Farben des Lichtes ... : Mit vier Kupfertafeln / angestellet und beschrieben von Christian Ernst Wünsch, Doktor der Weltw. und Heilkunde, wie auch Profess. der Mathem. und Physik zu Frankfurt an der Oder
Entstehung
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106 Verſuche und Beobachtungen

Troͤpfelt man reines Waſſer, oder Weingeiſt, oder Terpentinſpiritus, zwiſchen die Raͤnder dieſer zuſam⸗ men geklammerten Glaͤſer: ſo verbreiten ſich dieſe fluͤſ⸗ ſigen Materien nach und nach gaͤnzlich uͤber die in⸗ nern Flaͤchen derſelben, da dann die farbigen Rin⸗ ge in der Maaße verſchwinden, in welcher ſich das Waſſer, oder der Spiritus, uͤber ſie hinziehet, und zulezt ſcheinen beide Glaͤſer nur eine einzige ſtete Maſ⸗ ſe auszumachen, durch welche das Licht, wie durch anderes dickes Glas hindurch faͤhret. Bei warmer Witterung fuͤgt ſichs jedoch zuweilen, daß ein ſolcher Waſſertropfen bald hernach in einen bloßen Hauch aufgeloͤſet wird, welcher dann in Form des Fenſter⸗ ſchweißes an gedachten innern Glasflaͤchen haͤngt. In dieſem Falle kommen die farbigen Ringe wie⸗ der zum Vorſchein, und haben das Anſehen, als ob ſie in der bekannten Krayonmanier gezeichnet waͤren, oder als ob man ſie mit feinem ſchwarzen Sande weitlaͤuftig beſtreuet haͤtte. Aber in Anſehung ih rer Farben ſowohl, als in Hinſicht auf ihre Men

ge und Groͤße, erſcheinen ſie genau wieder ſo, wie

vorher, ehe man den Waſſeertropfen hinnein gelaſſen hat: und hieraus laͤßt ſich der Schluß ziehen, daß das einfallende Licht bloß in den feinen trocke nen Intervallen zerlegt und zum Theil reflektirt wer⸗ de, in den feinen feuchten Stellen hingegen, oder in den feinen Schweißtroͤpſchen ſelbſt, unzerlegt hin durch fahren, ohne einen Theil davon zuruͤcke zu werfen.

Newton