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Nachricht von der Verwallung und Urbarmachung der Warthebrücher / [Verf.: Friedrich Heinrich Stubenrauch]
Entstehung
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ſehen und Gewalt; keine dem orientaliſchen Deſpotismus gleiche Gewalt, um aus bloßem Wohlgefallen der Unterthanen Eigenthum anzugreifen, ſondern auf das rechtliche Obereigenthum des Staats(dominium eminens) gegruͤndete Ge⸗ walt, daß, wenn Tauſende erhalten werden ſollen, Einer leiden, und auch ſein Eigenthum hingeben muß, wenn er nur dafuͤr Entſchaͤdigung erhaͤlt. Das iſt nun hier der Fall. Es muͤſſen auf den Grundſtuͤcken einiger Doͤrfer Canaͤle gegraben werden, um 2 Stroͤme, die wahren und wichtigſten Straßen zu Waſſer, in Ordnung zu ſetzen, die Schiffahrt, und an 200 Tauſend Morgen Landes zu erhalten. Dafuͤr werden etwa 100 Morgen vergraben, welche die Stroͤ⸗ me ohnedem jaͤhrlich mehr und mehr beſchaͤdigen und verſanden, und welche die Beſitzer durch die verlaſſenen Strombette in einigen Jahren wieder gewinnen. Solte nun da die Gewalt nicht rechtmaͤßig ſeyn, den Beſizzern ihre Nuz zungen nach einer billig maͤßigen Taxe zu verguͤtigen? und ohne Wider ſpruch zu graben? Ich glaube das aus Ueberzeugung ſo ſehr, daß wenn es

mich ſelbſt betraͤfe, ich nicht anders denken wuͤrde; wenn aber der Plan einmal

genehmiget worden, und derjenige, dem die Ausfuͤhrung anvertraut iſt, nicht

auf die Art verfahren kann, ſondern ſich mit jedem unruhigen Menſchen in weit⸗

laͤuftige Eroͤrterungen einlaſſen ſoll, ſo muß er das Unternehmen aufgeben.

Um indeſſen die Nothwendigkeit und die Vortheile der vorgeſchlagenen Regulirung der Oder und Warthe noch kuͤrzlich zu zeigen, ſey es mir erlaubt, den Schluß aus dem oben erwaͤhnten Commiſſariſchen Plan hiebei zu fuͤgen, welcher folgendergeſtalt lautet:bei der Ausfuͤhrung dieſes Plans wuͤrden noch die Fragen entſtehen: ob kein anderer Weg moͤglich ſey? Ob ſolche ſo aͤußerſt noͤthig, und was fuͤr Nuzzen und Vortheil im Ganzen daraus entſtehen werde? Die erſte Frage wird ſich aus dem vorhergehenden ſchon von ſelbſt erledigen, und ob man gleich gern zugeben will, daß in einzelnen Punkten hie und da noch einige Abaͤnderungen und Modificationen moͤglich ſeyn koͤnnten, ſo kommt man im Ganzen doch immer wieder darauf zuruͤck, daß man der einmal, theils durch die Natur, theils durch die Verwallung vorgezeichneten Bahn der Stroͤme der Oder und Warthe folgen muͤſſe, und alſo nicht im Stande ſey, von dieſem Wege abzuweichen. Was hingegen die andern Fragen betrift, ſo werden ſich ſolche von ſelbſt am beſten beantworten, wenn man annimmt, was fuͤr ein Er⸗ folg entſtehen werde, wenn der Plan nicht ausgefuͤhrt, und zur Regulirung der Stroͤme nichts gethan wird. Dieſer wuͤrde darin beſtehen, daß beide Stroͤ⸗

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