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Anleitung zum praktischen Wiesenbau : mit besonderer Berücksichtigung des Zustandes und der Bedürfnisse der norddeutschen Wiesenwirthschaft / entworfen von Alexander von Lengerke
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erreichbar wäre. Überdieß vermißt man an vielen andern Orten, wo die ſchoͤnſte Gelegenheit für Wäſſerungswieſen wäre, jede Spur derſel⸗ ben, und es ſind namentlich größere, zu dieſem Zwecke errichtete Canäle, Schöpfräder an den Flüſſen und derartige Vorrichtungen, durch wel⸗ che noch viel Gebiet zur höchſten Fruchtbarkeit gebracht werden könnte, faſt unbekannt.

§. 9. Badens Wieſenwirthſchaft.

Badens Wieſenfläche verhält ſich zu dem Acker⸗Areal ungefähr

wie 1: 3. Sachkenner ſind entſchieden der Meinung, daß eine Schmä⸗ lerung des Wieſenlandes an vielen Orten mit Vortheil zuläſſig wäre, eine ungleich ſtärkere Rohproduction dadurch erzielt werden, noch viele Menſchen in dieſer Beſchäftigung und Nahrung finden könnten, wo man jetzt vielleicht ſchon von Übervölkerung träumt, vorausgeſetzt frei⸗ lich, daß man ſich andererſeits auch um ſo angelegener ſeyn ließe, das weniger Werdende auf eine höhere Stufe von Vollkommenheit zu brin⸗ gen. Im Ganzen iſt dermalen der Stand der Wieſenwirthſchaft kein lobenswerther; namentlich wird die Bewäſſerung der Grasländer

noch ſehr vernachläſſigt; häufig noch findet man Wieſen in ſtark ab⸗

fallenden Thalflächen ihrem natürlichen Zuſtande völlig überlaſſen; wie viel mehr denn die ungleich ſchwieriger zu einer vollſtändigen Be⸗ wäſſerung einzurichtenden Horizontal⸗ und tief liegenden Wieſenſtrek⸗ ken, an denen namentlich die Rheinebene ſo reich iſt! Indeſſen machen auch hier einzelne Landesgegenden rühmliche Ausnahmen. Einen wah⸗ ren Schatz an Wieſen mit reicher Wäſſerung und dem üppigſten Gras⸗ wuͤchſe beſitzt vor allen der Oberrheinkreis. Die hieſigen Mattenbeſitzer bilden beinahe überall beſondere Vereine, und jeder hat ſeine beſon⸗ dern Statuten(Rangordnung), durch welche die Wäſſerungsgeſetze genau ſtipulirt werden; ſogar iſt es in manchen Gemarkungen Sitte, bei dem Verkauf eines Mattenſtückes nicht nur den Wochentag, ſon⸗ dern ſogar die Stunde und die Minute, mit welcher die Wäſſerung anzufangen und aufzuhören hat, in den gerichtlichen Kaufbrief ein⸗ zutragen. 3

§. 10. Wieſenbau im Großherzogthume Heſſen. Heſſen⸗Darmſtadt hat 446,525, Normalmorgen(= 0,77994 preuß. M.) Wieſen, Grasgärten und Weiden, wenn 1,656,385,° M. Ackerland. Der bei Weitem größte Theil des hieſigen Wieſenwachſes fällt auf die Provinzen Starkenburg und Oberheſſen. Zu den mit den