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Von der Seidenerzeugung ꝛc. 5 17
darin, daß man die Maulbeerbäume, wie die Obſtbäume be⸗ handelt, ihnen nur die dürren oder zu dicht ſtehenden Aſte wegnimmt, und die langen Ruthen, die Enden der Hauptäſte, zurückſchneidet.
Es iſt nicht ſchwer in Voraus zu beurtheilen, welche die— ſer Methoden die natürlichſte ſei, und welche den höchſten Ertrag abwerfen werde. Allein ſo hartnäckig haͤngt der ge— meine Menſch am Hergebrachten, und ſo groß iſt ſeine In— dolenz ſich um das, was einige Stunden von ihm entfernt geſchieht, nicht zu kümmern, daß die letzte Methode nur äußerſt langſame Fortſchritte in den Umgebungen von Brescia und den Huͤgeln der Brianza macht und man tauſend nichtige Vorwände aufſucht, das bisherige Verfahren als nothwendig für die Ortsverhaͤltniſſe darzuſtellen.
Wenn man den Lombarden erzählt, daß ihre Nachbarn in der Provinz Bergamo die Bäume nie verſtümmeln, daß dieſe da groß und geſund ſind, und immer doppelt ſo großen Blaͤtterertrag geben, als in der Lombardie, ſo wagen ſie es zwar nicht dieſe Thatſache zu laugnen; allein ſie behaupten, daß dieſe Methode nur allein in dem tiefen und fruchtbaren Boden von Bergamo Nutzen bringe, und daß in der Lem— bardie alle Maulbeerbäume, wenn man ſie nicht alle vier Jahre
„yrer Aſte beraubt, abſterben würden; wobei ſie aber überſe⸗
hen, daß das nicht ſeltene Abſterben der Baͤume nur in der Lombardie, nicht aber in Bergamo bemerkt wird, und daß es daher nur eine Folge ihrer barbariſchen Methode, die Baͤume ſo oft und ſo grauſam zu verſtümmeln, ſein müſſe. Eben ſo wenig als in der Provinz Bergamo aller Boden tief und gut, und dem Gedeihen der Maulbeerbaͤume zuſagend iſt, eben ſo wenig iſt aller Boden der Provinzen: Mailand, Lodi, Pavia u. ſ. w. ſchlecht. Weil aber von Lecco an bis nach Vaprio in jeder denkbaren Miſchung und Tiefe des Bodens die Bäͤume nach Bergamasker Art behandelt, einen größeren Ertrag abwerfen, und eine mindere Sterblichkeit II. 2


