16 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien.
Dieſe Kenntniß iſt aber auch nothwendig, wenn man mit der Ernährung der Raupen nicht in große Verlegenheit kom— men und am Ende der Fütterungszeit vielleicht um ſo theuren Preis fremdes Laub ankaufen ſoll, daß darüber der ganze Nutzen der Unternehmung zu Grunde gehet. Hier weiß Jeder— man, wie viel er Laub für eine Unze Raupenſamen bedarf; er kennt den Stand ſeiner Baͤume, und weiß, wie viel er Laub im großen Durchſchnitte, wenn kein Hagel oder Reif kommt, erhalten wird, und wie viel er Raupeneier ausſchliefen laſ⸗ ſen darf.
Das Erträgniß der Maulbeerbaͤume hängt bei gleichen übrigen durch Boden und Clima bedingten Verhältniſſen, von der Art ab, wie man ſie beſchneidet. In dieſer Hinſicht findet man im lombardiſch⸗venezianiſchen Königreiche drei unter ſich ſehr verſchiedene Methoden.
Die erſte und allgemeinſte, die ich die lombardiſche nennen will, da ſie in dieſem Lande die üblichſte iſt, beſteht darin, daß man den Baͤumen alle vierte Jahr nach dem Ent— lauben alle Aſte abhauet, und ihnen nichts als den Stümmel der Hauptaſte läßt. Im erſten Jahre nach dieſer Operation wird das Laub von den neu ausgetriebenen Bäumen nicht abge— ſtreift; im zweiten Jahre aber geſchieht es, und im vierten Jahre haben ſie wieder Aſte von 3 Zoll Durchmeſſer, uns ſehen, wenn ſie anders geſund ſind, ſo buſchig aus, als waͤ⸗ ren ſie nie entäſtet worden.
Die zweite Methode will ich die friauliſche heißen, weil ſie, außer dieſer Provinz, nur noch im Treviſaniſchen üblich iſt. Sie beſteht darin, daß man den Baumen alljahrlich alle jähri— gen Zweige mit Ausnahme eines kurzen Stümmels weghaut, und die Zweige mit den Blaͤttern nach Hauſe führt, wodurch ſich der Baum in der Beäͤſtung zwar alljahrlich etwas vergrößert, aber nur kurze einjährige, blatttragende Zweige hat.
Die dritte Methode nenne ich die bergamaskiſche, weil ſie nur in dieſer Provinz allgemein üblich iſt. Sie beſteht
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