Von der Seidenerzeugung ꝛe. 9
Der ſchnelle und kraͤftige Wachsthum der jungen Baͤume
hängt vorzüglich von der Zubereitung der Pflanzſchule ab. Wer dieſelbe 1 ½ Fuß tief umgraben und mit animaliſchen Abfällen aller Art reichlich düngen ließ, darf ſicher ſein, daß ihm dieſe Auslage durch den beſchleunigten Wachsthum und das ſchöne Ausſehen der Baͤume reichlich erſetzt wird. Ich habe im Juni 1828 Baͤume geſehen, die 4 Zoll Durchmeſſer hatten, und erſt im Maͤrz 1826 gepfropft und im Jahre 1827 über⸗ ſetzt worden waren. Hier muß ich einer Spielerei erwähnen, auf die man in eini— gen wenigen Gegenden der Lombardie ein Gewicht zu legen ſcheint, und deren auch Verri in ſeiner Abhandlung beifällig gedenkt: naͤmlich die Maulbeerbaͤume nach Art der Weinreben durch Ab⸗ leger fortzupflanzen. Ich ſah das Verfahren zuerſt in Locate, einer Beſitzung des Grafen Alfonſo Caſtiglioni, und der Gärtner nannte es alla bergamasca; warum, weiß ich nicht, denn in Bergamo höͤrte ich nichts von dieſer Vermehrungsart. Es beſteht darin, daß man in das hiezu beſtimmte Gartenbeet, in 9 Fuß weit von einander abſtehende Reihen, ſo tief als möglich an der Wurzel gepfropfte Maulbeerbaumchen, 3 Fuß von einander einſetzt. Nach ein Paar Jahren wird der Stamm am Boden, doch immer über der Pfropfſtelle weggeſchnitten, und treibt nun eine Menge Aſte aus, wovon man im folgenden Jahre die ſchönſten zu beiden Seiten ſanft niederlegt, mit Erde bedeckt, und am Ende mit einem Auge zur Erde hervorragen läßt. Dieß Auge macht gleich im naͤmlichen Jahre noch einen Trieb von 5 bis 6 Schuh Höhe, der einen bis anderthalb Zoll dick wird. Solche Triebe läßt man noch zwei Jahre an der Stelle, worauf ſie ausgegraben und verſetzt werden. Der Mutterſtock wird nun wieder bloß gelegt, und ganz kahl beſchnitten, wie früher. So dauert dieſe Vermehrungsart ſo lange fort, bis der Mutterſtock ſtirbt, was man in Locate noch nicht erfahren hat, weil man erſt ſeit wenigen Jahren dieſe Vermehrungsart da eingeführt hat.


