10 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien.
Obgleich dieß Verfahren beim erſten Anblick viel Anziehendes hat, und nützlich zu ſein ſcheint, indem man das Pfropfen er- ſpart, und Maulbeerbäume gewinnt, die in allen ihren Theilen, ſammt der Wurzel veredelt ſind, und obgleich man dadurch mit wenig Mühe ſchon im erſten Jahre Triebe von 5 bis 6 Schuhe, und nach drei Jahren vollkommen ſtarke Bäume zum Üüberſetzen in die Felder erhalt, ſo ſcheint es doch wegen des großen Raumes, den es erheiſcht, und der kleinen Ausbeute, die es gewährt, im Großen nicht vortheilhaft zu ſein.
Die Maulbeerbaͤume werden gepfropft, damit ſie viel Laub tragen: denn der gemeine weiße Maulbeerbaum(Morus alba, Gelso selvatico) mit unregelmaßig herzförmigen, ausge⸗ zackten Blättern und ſtachlichten Aſten gibt zwar den Raupen eine ſehr treffliche, ja nach allen Erfahrungen, die beſte und zuträglichſte Nahrung, bei welcher ſie das feinſte Geſpinnſt er— zeugen; allein es iſt das Erzeugniß dieſer Bäume an Bläͤttern ſo gering, daß man zu viele Baͤume haben und zu großen Auf— wand machen müßte, um ſich genügend Blätter für eine große Raupenzucht zu verſchaffen, weßwegen man andere Arten von Maulbeerbäumen auf dieſe pfropft, die herzförmige, große und dunkelgrüne Blätter haben, und ſich faſt doppelt ſo ſtark belauben, als die gemeine, wilde Sorte. Dieſe edlen Maulbeerſorten zer— fallen aber wieder in viele Unterarten, je nachdem das Blatt mehr oder weniger dick, groß und heller oder dunkler gefärbt iſt.*)
Woher dieſe beſſeren Sorten(Gelso gentile) rühren, weiß Niemand; wahrſcheinlich ſind ſie mit den gemeinen zugleich nach Europa gebracht worden, gleich der, die gegenwaͤrtig viel Aufſehen macht, und unter dem Namen: Morus chinensis, M. macrophylla, ſich raſch in der Lombardie verbreitet. Herr
*) über die Arten der Maulbeerbäume überhaupt, und die verſchiedenen in Italien cultivirten Abarten insbeſondere gewährt die neueſte Schrift des Prof. Moretti vollkommene Aufklärung: Sui gelsi e sui bachi da seta, istruzione compilata dai Dottori G. Moretti e Carlo Chiolini. Milano, 1829.


