Teil eines Werkes 
2 (1832) Reise durch Ober-Italien. 2
Entstehung
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8 Landwirthſchaft von Ober⸗Italien.

vor dem Vertrocknen zu ſchützen und das Keimen der Saat zu begünſtigen. Wenn der Regen fehlt, wird fleißig gegoſſen.

Die Pflanzchen müſſen gejatet, und leicht behackt, und wo ſie zu dicht ſtehen, verdünnt werden. Sie wachſen im erſten Jahre nur wenig, bleiben klein und unanſehnlich. Im zweiten Jahre werden ſie überſetzt, und auf ein Auge zurückgeſchnitten. Im dritten Jahre, im April, wird der ganze Trieb wieder bis auf das vorletzte Auge weggeſchnitten, und der Stumpfen ge pfropft, was unter günſtigen Umſtanden öfters ſchon im zwei⸗ ten Jahre in der Samenſchule geſchieht, wenn man, wie Viele thun, und wie Verriräth(Saggi di agricolt. prat. sulla coltivazione dei gelsi, e delle viti, del Conte Carlo Verri. IV. Ediz. Milano, 1825), die Pflänzchen im zweiten Frühling nicht überſetzt, ſondern ſie jetzt pfropft, und dann im dritten Jahre überſetzt, bei welcher Gelegenheit ihnen unter ei nem die Pfahlwurzel weggeſchnitten wird.

Das Pfropfen geſchieht hier größtentheils à la fluͤte, was wir im deutſchen Röhren nennen, doch wird auch hin und wieder copulirt. Nur bei erwachſenen Baͤumen wird in den Spalt oder hinter die Rinde gepfropft. Ich ſah am 17. Mai bei Herrn Olivi in Treviſo viele Tauſend kleiner Bäumchen, die im April gepfropft worden waren, und jetzt Triebe von A bis 5 Zoll hatten. Die Pfropfreiſer machen in demſelben Jahre noch Trie be von 4 bis 5 Schuh Höhe. Im vierten Jahre im Frühling werden ſie zu jener Höhe abgeſtutzt, die man der Krone geben will; die neuen Triebe bilden die künftigen Hauptäſte, welche im fünften Jahre durch den Schnitt die becherartige Form erhalten, die als die angemeſſenſte für Obſt- und Maulbeer bäume anerkannt iſt.

Im fünften Jahre, das heißt nach vollendetem vierten Jahre, werden die Bäumchen aus den Pflanzſchulen genommen und verkauft, oder in die Felder überſetzt; denn ſie werden nun zu groß, und haben in dem engen Raume der Pflanzſchule nicht mehr Platz.