Teil eines Werkes 
1 (1831) Reise durch Ober-Italien. 1
Entstehung
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2. Mai. Venedig. 9

Nun fuhr ich ins Arſenal, kam aber zur Unzeit; denn es gingen die Arbeiter zur Mittagsruhe, während welcher das Ge⸗ bäude verſchloſſen bleibt; ich hatte aber für heute genug am Thore zu ſehen, denn es iſt das Thor und die demſelben zur Seite geſetzten, aus dem Piräus von Athen hieher gebrach⸗ ten zwei gigantiſchen Loͤwen, ein würdiger Gegenſtand von Be wunderung. Der eine dieſer Löwen ſitzt auf den Hinterpfoten und wird 7 Fuß hoch ſein; der andere liegt. Sie ſind von ſehr ungleichem Werthe und ſicherlich zu ſehr verſchiedenen Zeiten ge⸗ macht worden.

Das Portal iſt reich und ſchön, wie Alles, was der Staat in den Zeiten ſeines Flors machen ließ.

Dieſelbe Gondel führte mich nun nach der Inſel Murano, wo ich die Spiegel⸗ und Glasperlen⸗Fabriken ſehen wollte. Man ſagte mir, daß etwa noch fünfzehn kleine Fabriken von gemeinen Glaswaaren in Murano beſtehen. Ich ging in zwei, deren erſtere kleine Spiegel, die andere Glasperlen machte. In der er⸗ ſtern fand ich nichts, was ich nicht in den Glasfabriken von Steiermark und Kärnten ebenfalls, nur viel beſſer und im grö ßeren Maßſtabe, geſehen haͤtte: man machte Spiegelglaſer von 10 Zoll Breite und 12 Zoll Höhe. In der anderen war aber die Perlenfabrication ein für mich neuer Gegenſtand. Sie beſteht aus folgendem Verfahren: Der Arbeiter nimmt auf die Spitze eines Eiſenſtabes ein Stück von der teigigen Glasmaſſe, das er durch Walzen zuſammendrückt und dem er eine cilinderförmige Geſtalt gibt. In dieſen Cilinder ſteckt er ein Eiſen, das er dreht und womit er die Glasmaſſe becherförmig aushöhlt. Er waͤrmt nun dieſe Maſſe im Ofen, und wenn ſie weich genug iſt, ſo klebt ein anderer Arbeiter ſein Eiſen, an dem ſich kalte Glas maſſe befindet, an dieſen Becher und beide laufen in entgegengeſetz- ter Richtung auseinander, wobei ſich das Glas in einen hoh len Faden ausdehnt, weil es ſich von der ganzen Umgebung des becherförmigen Klumpens loslöſt. In der Mitte iſt natür lich der Glasfaden am dünnſten und wird immer dicker, je mehr