Teil eines Werkes 
1 (1831) Reise durch Ober-Italien. 1
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Naffee⸗ 1, wo en der

dem Hau⸗ n der gegen⸗ jani

1. Mai. Venedig. 7

liches Vermöͤgen beſaß, wendete es an, ſich in der Hauptſtadt einen Pallaſt zu bauen, und ſich in Hinſicht der Schönheit, Soliditat und des Geſchmackes des Gebaudes vor ſeinen Nachbarn auszuzeichnen.

Die Häuſer aus jener Zeit haben alle etwas Großartiges oder Edles, und wenn ſie auch öfters nur drei oder vier, Fen⸗ ſter breit ſind, ſo haben ſie doch die Form und Verzierun gen eines Pallaſtes. Bei den Palläſten der Großen ſind aber nicht ſowohl die Fenſterverzierungen und Balcone, ſondern die ganze vordere Seite des Hauſes, nach der ganzen Höhe, von gehauenem Stein ohne Mauerwerk, und wenn ein ſolcher Pal⸗ laſt von der vordern Seite frei ſteht, ſo reicht dieſe Verkleidung von Stein auch noch zwei Fenſter weit zurück.

Viele dieſer Pallaͤſte und Häuſer ſind in einem ſehr vernach⸗ läſſigten Zuſtande; einige derſelben zerfallen auch wohl, weil ihre Beſitzer verarmt ſind und die Koſten der Unterhaltung des Daches nicht zu beſtreiten vermochten; denn wird nur das Dach eingehalten, ſo dauert ein ſolches, von dem feſteſten Materiale aufgeführtes Gebäude viele Jahrhunderte. Zum Beweiſe mö⸗ gen die Säulen dienen, welche den Porticus unter dem Pal laſte des Doge ſtützen. Dieſe haben am Capital fein gearbeitete Figuren, welche Scenen aus der bibliſchen Geſchichte darſtellen; die Inſchriften, welche ebenfalls in Stein gegraben ſind, laſſen es außer Zweifel, daß ſie vor 400 Jahren gemacht worden ſind, und noch ſind ſie ſo friſch und vollkommen, als wären ſie vor we⸗ nigen Jahren angefertiget worden. So wenig verwittert der Kalk ſtein, den man aus Iſtrien herüber gebracht hat, wie ich auch dort an dem Amfitheater und der Porta aurea in Pola zu bemerken Gelegenheit hatte, wo nur die der freien Einwir⸗ kung des Regens ausgeſetzten großen Steinblöcke, jetzt nach 2000 Jahren, an den Kanten etwa 2 Linien Maſſe durch Ver⸗ witterung verloren haben, die an der innern Seite der Porta aurea angebrachten Verzierungen aber noch völlig unangegrif⸗ fen ſind.