Teil eines Werkes 
1 (1831) Reise durch Ober-Italien. 1
Entstehung
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6 1. Mai. Venedig.

Es gibt laͤngs der Portici eine ſehr große Zahl von Kaffee⸗ zimmern; die ſchönern ſind unter den alten Procuratien, wo auch einige Gold- und Modewaarenhandlungen die Augen der Vorbeigehenden anziehen.

Nachmittags ging ich längs der Riva de' Slavi nach dem neu angelegten Garten, der durch Niederreißen einer Menge Häu ſer und Hütten hervorgebracht worden iſt. Die Ausſicht von der Balluſtrade des Gartens, der San Nicolo di Lido gegen über liegt, über San Giorgio, Malamocco, Bojani iſt ſehr ſchön; ſonſt aber iſt der Garten noch zu jung und ſeine Baͤume ſind zu klein, als daß er ſeinem Zwecke jetzt ſchon ent ſprechen ſollte. Es iſt aber zu hoffen, daß bei dem ungemein ſchnellen Wachsthum der Bäume der Garten in zwanzig Jah ren einem Walde gleich ſehen wird, denn ich ſah Eſchen, welche hier die vorwaltende Baumart ſind, die im Jahre 1812 ge⸗ pflanzt worden, und daher erſt 16 Jahre alt ſind, und be reits 15 Zoll im Durchmeſſer hatten. Da aber dieſer Ort zu weit vom Mittelpunkte der Stadt entfernt iſt, ſo kann man nie hof fen, daß er zu einem allgemeinen Vergnügungs⸗ und Sammel⸗ platze für die Bevölkerung wird dienen können; auch fand ich am erſten Mai, einem Tage, an dem wir Deutſche vorzüglich einen

Spaziergang ins Freie machen, nicht zwanzig Menſchen im ganzen Garten, und von dieſen zwanzig gehörte Niemand zur höheren Klaffe.

Die Hitze des Tages hatte mich ſehr erſchöpft; ich nahm eine Gondel und ließ mich läͤngs des großen Canals bis zur Brücke Rialto führen.

Die Reihe der ſchönſten Palläſte, welche den Canal zu bei den Seiten einfaſſen, muß nothwendig bei Jedermann die höͤch ſten Begriffe von dem frühern Reichthume ſeiner Einwohner und ihrem guten Geſchmacke und regen Sinn für edle Baukunſt hervorbringen. Das Bauen ſcheint im fünfzehnten und ſechzehn ten Jahrhundert in Italien allenthalben, beſonders aber in Ve⸗ nedig, Mode geweſen zu ſein, und wer nur immer hinläng⸗