Druckschrift 
Das landwirthschaftliche Institut zu Jena in seiner Verbindung mit der dasigen Gesammt-Akademie und dem Großherzoglichen Kammergute zu Zwätzen : nebst einer Abhandlung über höhere Bildung des deutschen Landwirths und Gutsbesitzers / beschrieben von dem Stifter und Director desselben Friedrich G. Schulze
Entstehung
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2) Insbeſondere wird die Gewerbsbildung durch Verbin⸗ dung mit hoͤherer Bildung in Bezug auf das Wiſſen und Ver⸗ ſtehen außerordentlich gefoͤrdert, indem dadurch eine wiſſenſchaft⸗ liche Begeiſterung, eine reine Liebe zum Wiſſen erzeugt wird, welche dem Geiſte Kraft, Lebendigkeit und Gewandtheit gibt, das Eindringen in das Weſen der Dinge und die Vertiefung der Einſichten foͤrdert, Fleiß und Eifer des Studiums erhoͤht, den Lernenden dahin bringt, daß er auch den trockenſten Stoff mit Freudigkeit ergreift, und den Studirenden mit der Faͤhig⸗ keit ausſtattet, kuͤnftig alle ihm noch fehlenden nuͤtzlichen Kennt niſſe zu erwerben und uͤberall ſich zurecht zu finden 5).

3) Der Landwirth hat Feſtigkeit des Charakters und Gott⸗ ergebenheit noͤthig, damit er nicht durch Hinderniſſe, welche ſeinen Unternehmungen ſich entgegen ſtellen, von dem rech⸗ ten Wege zuruͤckgeſchreckt und durch Ungluͤcksfaͤlle entmuthigt werde. Dieſe Eigenſchaften des Geiſtes aber ſind die Fruͤchte einer auf die ſittliche Kraft des Landmanns gerichteten Bil⸗ dung.

4) Der landwirthſchaftliche Praktiker hat Menſchenkennt⸗ niſſe nöthig, um die menſchlichen Kraͤfte moͤglichſt vortheilhaft fuͤr ſeinen Gelderwerb anwenden zu koͤnnen. In Erlangung dieſer Kenntniſſe wird der Landwirth beſonders durch das die hohere Bildung vorzuͤglich foͤrdernde Studium der Menſchen⸗ lehre und Nationaloͤkonomie unterſtuͤtzt. Dieſes Studium ge⸗ waͤhrt ihm aber auch Selbſtkenntniß, d. h. Kenntniſſe von ſei⸗

*)Der wahre Nutzen, welchen die Schule für das Leben bringen kann, liegt vorzugsweiſe in der Ausbildung und Erhöhung der Kraft des Geiſtes; denn nur dieſe enthält die Vorbereitung und Befähigung für alles Vorkommende, wie es alle Kenntniß nicht kann, theils weil Ver ſtand und Geſchick mehr iſt als Kenntniß, theils weil Kenntniß nicht für alle Fälle geſammelt werden kann, der gebildete Verſtand aber die Kenntniß leicht nachholt. Tittmann, Beſtimmung des Gelehrten, S. 87.