Druckschrift 
Das landwirthschaftliche Institut zu Jena in seiner Verbindung mit der dasigen Gesammt-Akademie und dem Großherzoglichen Kammergute zu Zwätzen : nebst einer Abhandlung über höhere Bildung des deutschen Landwirths und Gutsbesitzers / beschrieben von dem Stifter und Director desselben Friedrich G. Schulze
Entstehung
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Beſtrebungen vergeblich; denn bei der Jugend, welche aus dem haͤuslichen und buͤrgerlichen Leben in das Inſtitut tritt, wird der Same eines hoͤhern Lebens keinen fruchtbaren Boden fin den, und die aufgekeimte Saat wird nach dem Ruͤckritt in jene Verhaͤltniſſe durch das wuchernde Unkraut der Selbſtſucht, Eitelkeit, Habſucht, Herrſchſucht und rohen Sinnlichkeit bald unterdruͤckt werden. Dem zu Folge ſteht das akademiſche Leben der ſtudirenden Landwirthe mit dem Volksleben in der innig ſten Wechſelwirkung.

Was ich hier uͤber die hoͤhere Lebensanſicht, worauf eine hoͤhere Bildung des Landwirths zu gruͤnden iſt, geſagt habe, ſoll nicht etwa die Entdeckung einer Neuigkeit ſein, ſondern es iſt nur ein Verſuch, das, was die Edelſten unſers Volks ge genwaͤrtig in Bezug auf den hoͤchſten Zweck des Lebens denken und fuͤhlen, aber gewoͤhnlich unbeſtimmt und unklar, mit Be ſtimmtheit und Deutlichkeit in Worte zu faſſen. Kein Denker erfindet allein ſich ſelbſt die Welt- und Lebensanſichten, ſon dern er nimmt ſie auf, ſo wie ſie ihm durch ſeine Erzieher und durch die Bildungsſtufe im oͤffentlichen Leben ſeines Volks zu⸗ gefuͤhrt werden. Seine darauf ſich beziehenden wiſſenſchaftli chen Forderungen beſchraͤnken ſich nur auf die Rechtfertigung dieſer Ueberzeugungen von den großen Zwecken des Menſchen⸗ lebens, auf ihre logiſche Fortbildung und deutliche Darſtellung in muͤndlicher und ſchriftlicher Lehre*).

§. 4. Wichtigkeit der höhern Bildung des Landwirths. Die hoͤhere Bildung des Landwirths iſt eine Vorbereitung deſſelben fuͤr das hoͤhere Leben, d. h. eine Richtung ſeiner Ge werbsbildung auf ein ſolches Leben, welches wahrhaft menſch *) Vergl. Fries: Die Geſchichte der Philoſophie, dargeſtellt nach den Fortſchritten ihrer wiſſenſchaftlichen Eutwickelung. Baud I. S. 20.