Druckschrift 
Der isolirte Staat in Beziehung auf Landwirthschaft und Nationalökonomie, oder Untersuchungen über den Einfluß, den die Getreidepreise, der Reichthum des Bodens und die Abgaben auf den Ackerbau ausüben / von Johann Heinrich von Thünen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

272

der Landbebauer auch nach Bezahlung der Abgabe noch eben ſo gut leben koͤnne, als fruͤher, loͤſ't ſich dadurch, daß derſelbe ſich von dem ſchlechtern Boden zuruͤckzieht und ſeine Thaͤtigkeit nun auf den Anbau des beſſern Bodens beſchraͤnkt, der auch nach Entrichtung der Abgabe die Arbeit des Tageloͤhners, des Paͤchters oder des Ad miniſtrators eben ſo gut lohnt, als fruͤher der ſchlech tere Boden, der von keiner Abgabe belaſtet war.

Richten wir nun unſern Blick auf den Einfluß, den die Abgabe in dem iſolirten Staat auf den Umfang der Gewerbe und des Landbaues ausgeuͤbt hat, ſo finden wir, daß alle in gleichem Verhaͤltniß gelitten haben. Hat z. B. der Umfang des Landbaues um o abgenommen, ſo haben alle fuͤr den Landbau arbeitenden Gewerbe eben falls um an Umfang, Kapital und Menſchenzahl ab⸗ genommen und dieſe Wirkung der Abgabe bleibt die ſelbe, ſie mag auf ein einzelnes unentbehrliches Gewerbe, oder auf die geſammten Gewerbe oder auf den Landbau gelegt ſeyn.

So wie am menſchlichen Koͤrper kein Glied verletzt werden kann, ohne daß der ganze Koͤrper mit leidet, ſo kann auch in dem iſolirten Staat weder ein einzelnes Gewerbe, noch der Landbau mit einer Abgabe belaſtet werden, ohne daß alle andere Staͤnde davon mit ergrif fen werden.

Ganz anders verhaͤlt ſich dies in der Wirklichkeit, wenn mehrere Staaten mit einander in Beruͤhrung kom men.

Wenn in einem europaͤiſchen Staat mit freiem Handelsverkehr, ein Gewerbe zu ſtark mit Abgaben belegt wird, ſo kann der Gewerbetreibende ſich nicht durch eine Erhoͤhung des Preiſes ſeiner Waare entſchaͤdigen, weil dieſe Waare in andern Laͤndern, wo keine ſolche Abgabe exiſtirt, noch eben ſo wohlfeil, als fruͤher fabrizirt wird,