Teil eines Werkes 
2,2 (1840) Darstellung der Landwirthschaft Grossbritanniens in ihrem gegenwaertigen Zustande. 2,2
Entstehung
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Von der Sommerſtallfuͤtterung des Rindviehs. 381

Krippe aufgeſchlagen und davor treibt man im Schutz einer dich⸗ ten Hecke kleine Pfaͤhle in einer Entfernung von 3 bis Fuß von einander in den Boden, um die Thiere daran zu binden. Hier werden ſie nun aufgeſtellt, und mit herbeigefahrenen Ruͤben, Kohl ꝛc. gefuͤttert. Den Miſt wirft man hinter ihnen auf einen laͤnglichen Haufen zuſammen und ein hinter ihren Fuͤßen gemachter kleiner Graben fuͤhrt den Harn ab, nur einige ſammeln ihn in einer dazu beſonders angelegten Grube. Man ruͤhmt von dieſem Verfahren, daß es wohlfeiler ſei, als das Aufſtellen in mit Schup pen umgebenen Hoͤfen, daß die Geſundheit der Thiere, die hier durch ihren engen Stand ſich hinlaͤnglich warm halten, beſſer be⸗ wahrt werde und die Anſammlung des Miſtes gleich auf dem Felde, das damit geduͤngt werden ſolle, großen Vortheil bringe. Mit aller Hochachtung fuͤr die Landwirthe Norfolks muͤſſen wir doch geſtehn, daß uns das Aufſtellen des Viehs in Hoͤfen mit Schuppen ungleich zweckmaͤßiger vorkommt. Dafuͤr ſpricht auch die Erfahrung eines der tuͤchtigſten unter ihnen ſelbſt, Herrn Draw's, der in ſeiner Beſchreibung der Norfolker Wirthſchaft verſichert, er habe durch genaue Verſuche auf demſelben Gute mit Ochſen derſelben Raſſe und Groͤße, mit Turnips von demſelben Felde ſich vollkommen uͤberzeugt, daß das Letztere weit vortheil hafter ſei. Er ſetzt noch hinzu, daß Ochſen, auf dem Wirth ſchaftshof ſelbſt gefuͤttert, ſchon im Februar auf den Markt ge ſendet werden konnten, waͤhrend die auf angegebene Weiſe im Freien gehaltenen erſt in der Mitte des Aprils dazu tauglich waren.

In einigen Gegenden von Schottland und Irland wird auch das Vieh angepfloͤckt(getuͤdert). Es macht ſich ſolches in man chen Faͤllen nothwendig, wenn naͤmlich aus Mangel an Hecken und bei kleinem Beſitzthume die Thiere nicht gehoͤrig zu beauf ſichtigen ſind, und deshalb entweder zu Hauſe behalten werden oder auf den Grundſtuͤcken der Nachbarn herumlaufen muͤſſen. Der Mangel an Dienſtboten macht uͤberdies das Maͤhen des Gruͤnfutters oftmals unmoͤglich und die Erfahrung hat auch ge lehrt, daß das Vieh beſſer frißt und zunimmt, wenn es immer wieder friſches Futter bekommt, nicht uͤber das ganze Feld hin ſchweifen darf. Dieſes Verfahren kommt in manchen Faͤllen ziem lich mit der Stallfuͤtterung uͤberein und ſcheint noch den Vorzug zu haben, daß das Vieh dabei mehr Gelegenheit zum Genuß der friſchen Luft und zu einiger Bewegung hat. Daher machen auch einige Landwirthe in ziemlich großer Ausdehnung davon Gebrauch.