Teil eines Werkes 
Zweyter Band (1823) [Zweyter Band]
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Man bedient ſich in den Cbenen von Gallien einer Einrichtung, mittelſt deren ein einziger Ochſe die Erndte vollenden kann. Cin Karren ruht auf zwey kleinen Rädern, Seine vier Seiten ſind durch Breter geſchloſſen, die oben weiter von einander abſtehen als unten. Die niedrigere Vorder- Seite iſt mit aufrecht ſtehenden Zähnen verſehen, die nahe beyſammen ſtehen, und in die Röhren eingreifen, die hintere Seite verlängert ſich in;einer Gabel, an einer Sänfte. An dieſe? ſpannt man den Ochſen, dergut abgerichtet ſeyn muß, ſo mit Joh oder Kummet, daß ſein Kopf gegen den Wagen gekehrt iſt. So wie er den Wagen vorwärts treibt, drängt ſic) das Stroh zwiſchen die Zähne, reißt ab, und die Aehren ſind abgeſtreift. Der Führer, der die Arbeit leitet, ſtellt die Zähne, je nac<dem dieß erſor- derlich iſt, höher vder niedriger, und'indem er auf dieſe Art auf dem ganzen Felde nach und nach herum kommt, erndtet er in einigen Stunden alles Korn ein. Dieſe Methode iſt in Ebenen und an Orten, wo man das Stroh nicht bedarf, vortheilhaft.

Plinius drückt ſich bey Beſchreibung des gleichen Verfahrens kürzer aus: Galliaram latifundis, ſagte er, 1. 18, c. 3, 5.5 valll pregrandes dentibus in margine infertis duabus rotis per Sgegetem im- pelluntur, jumento in contrarium junctoz ita direpte in vailum cadunt 8picx.Auf den großen Feldern der Gallier führt man Karren mit zwey- dern, die hinten mit einem Thiere beſpannt ſind, und an dem vordern Rande lange Zähne haben, durch die Saat. Die Aehren werden dadurd) gefaßt, und fal: len in den Karren.

Die beyden angeführten Stellen geben uns eine richtige Vorſtellung von der von unſern Vorfahren angewandten Methode, obſchon wir die Darſtellung dieſes Wagens auf keinem Denkmal des Alterthums finden. I< ſuchte dieſen Mangel durch die Fig. 52 zu erſeßen. Man ſieht dort einen leichten Karren, vorn mit aufgerichteten Zähnen beſezt, die einen Winkel von 20-- 22 Graden mit dem Horizont bilden ad Superiorem partem recvryvi. Wenn der Karren durch den"Ochſen getrieben wird, fo fangen ſich die Aehren zwiſchen den Zähney, die Aehren wer- den dadurch auf den Rand"des Karrens, auf wel-

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hem die Zähne aufſigen, niedergezogen; ſie trennen ſim; durch den DruF und fallen in den Karren, Der Führer, mit einem kleinen Rechen in der Hand, er- leichtert, wenn es nöthig iſt, ihce Ablöſung. I< glaube, daß der Ausdruck ad 8uperiorem partem vecurvi nicht, wie man angegeben hat, ha>enförmive ge oder nach oben umgekrümmte Zähne andeutet, ſondern Zähne, die an ihrer Spie weiter aus ein- ander ſtehen, als unten, Dieſe Stellung erleichtert die Wirkung, während eine Krümmung an ihrem Ende ein Hinderniß mächen würde, Die Zähne ſind anf einem OQuerholz befeſtigt, das man höher oder niedriger ſtellen kann, je nachdem die Aehren höher oder niederer ſiehen. Zur Erleichterung dieſer Veränderung in der Stellung iſt der vordece Rand des Karrens niederer, als die drey übrigen,

Es würde'von Nußken ſeyn, mit dieſer Art das Getreide zu erndten, einen Verſuch anzuſtellen; man könnte dadurch ſchneller fertig werden. Das Ge» treide von einer großen angebauten Stre>e würde in ſehr furzer Zeit geerndtet ſeyn, und man würde beſonders das Verderben deſſelben in feuchten Jah- ren verhüten, Das Stroh könnte alsdann zu ande- rer geſchickter Zeit abgeſichelt oder gemäht werden, Uebrigens erhellt aus den alten Schriftſtellern, daß das Verfahren, die Aehren zuerſt, und nachher erſt das Stroh einzuerndten, ſehr gewöhnlich war.

Man findet bey den Ulten nod eine CErndte- methode, deren ſich die erſien Landbauer zur Be» nubung- des Strohs bedienten. Sie riſſen es aus, anſtatt es abzuſchneiden, wie dieß nor in einigen Gegenden Spaniens mit dem Hanfe der Fall iſt. Dieſe Methode war nod) zu den Zeiten des Plinius üblim. Alibiab radice vellunt.

Wir finden mehrere Dreſcharten in der Borzeit, die alle noh in neuern Zeiten üblich ſind. Der erſte Menſc<, der Getreideähren erndtete, zerrieb ſie in feinen Händen. Dieſes langweilige Verfahren ver- anlaßte ihn, ſie mit Ruthen, Stangen oder Stäben zu zerflopfen. Virga, pertic18, baculis, wie ſich die Schriftſteller de re rustica ausdrücken. Daher der Urſprung des Dreſchflegels, ſtatt deſſen man ſich in heißeren Himmelsſtrichen noh ſchnellerer Mittel be- diente. Man breitete die Aehren allein, oder mit