Teil eines Werkes 
Zweyter Band (1823) [Zweyter Band]
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die Handhabe der erſten verſc<wand, da ſie beque- mer durch die beyden Enden des Ouerholzes erſezt werden konnte, von welc<en das Pflugholz und die doppelte Pflugſchar ausgehen. Die beyden Zähne der Schaar ſind, wie bey dem indiſchen Pflug, mit Ci- ſen beſchlagen. Sie werden durch zwei an der Deichſel befeſtigte Ketten oder Seile gehalten. An eine der Gabeldeichſeln kommt häufig noh ein Sech, bald von gerader Form, bald der Länge nach etwas gekrümmt, bald ſchaufelartig. In DOſt- Bothnien, einem an Getreide reichen Lande, bedient man ſich keiner andern Pflüge. Ein nach demſelben Grundſaß verfertigtes Inſtrument, nur etwas verändert, und das zwey Furchen auf einmal zieht, könnte da, wo ſteiniger und kieſiger Boden zu bearbeiten iſt, no vortheilhafter zu gebrauchen ſeyn, als unſere Pflüge mit einer einzigen Pflugſchar.

Cs war ſehr natürlich, daß die erſten Erfinder, welche den Gebrauch des Spatens kannten, ihn in einen Pflug umzubilden ſuchten, wie man es bereits mit der Keilha>e und der einfachen und zweytheiligen Haue gethan hatte. Wir wollen hier ein zum Pflug umgeändertes<ineſiſches Grabſcheit(Fig. 30) dar- ſtellen. Er unterſcheidet ſich durchaus von allen in andern Weltgegenden gebräuchlichen. Die eine Sei- te der Eiſenplatte folgt der Richtung des Stiels, krümmt ſich ein wenig, und geht in eine Spitze aus, während die andere an ihrem obern. Theile in eine breitere Fläche auslänft, auf die der Arbeiter ſeinen Fuß ſtelkt. Die 31. Fig. ſtellt uns daſſelbe Jnſtru- ment dar, an deſſen Stiel ein Geſtell angebracht wurde, wovon ein Stü>, das bis vor die Eifenplatte herabgeht, mit derſelben verbunden wird, und zu- gleich die Kette trägt, an welcher man das Ortſcheit befeſtigt. Das andere Stück verlängert ſich unter einem rechten Winkel zur Handhabe, und dient dem Arbeiter, der den Pflug auſ einer Seite ſührt, zur Leitung deſſelben. Dieſe ſonderbare Einrichtung iſt aus dem Giunde merkwürdig, weil die Zug- und Miderſtandskraft faſt in einen Punkt zuſammen fal: len. Id beſige einen andern<ineſiſchen Pflug, bey welcem der nämliche Grundſaß beobachtet iſt. Ich werde ihn in dem Werke über die Feld- und

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Hauswirthſchaft der Chineſen, das ich in kurzer Zeit herauszugeben gedenke, bekannt machen.

Wir finden in Frankreich den Uebergang des Grabſcheits zum Pfluge in einem Inſtrument(Fig. 32), das in den der Garonne nahe gelegenen Depar- tements zum Anhäufeln des Mais gewöhnlich iſt. Das C.ſen hat hier eben die Form, wie bey dem Grabſheit(Fig. 15), mit dem die Neger von Gorea die Erde bearbeiten.

China liefert no< zwey Belege dieſer Art. Die 33. Fig. ſtellt eine Art Schaufel dar, deren Stiel zu dem Ende umgekrümmt wurde, um daran einen Pflugbaum zum Anſpannen der Menſchen oder Thiere anzubringen. Der Pflug(Fig. 34) iſt noch merkwürdiger, weil das Ciſen dieſelbe Form und eben die Dimenſionen hat, wie die am meiſten in Curoya im Gebrauch ſeyenden Spaten. Man fin- det bey Plinius Spuren eines Pflugs, deſſen Pflug- ſchar die Form eines Grabſcheits hatte. Die alten Gallier, welche die Gegend von Verona bewohnten, bedienten ſich deſſelben. Cuspidis efigiem pale babet. Pl. 18, c. 16, par- 48.

Die Verfaſſer des großen Werks über Egyp- ten ſagen, daß der Pflug in der Gegend von No- ſette mit einer ſpatenartigen Pflugſchar verſehen iſt.

Nachdem das Mittel aufgefunden war, die Reilhacke, die Haue unv den Spaten als bloße Hands Inſtrumente boy Bearbeitung des Bodens, durch den Pflug zu erſeßen, behielten die Menſchen ohne Zwei- fel lange Zeit hindur) die urſprünglichen Pfläge, ſo un- vollkommen ſie auch waren, bey; denn wir finden ſie nod) faſt in allen Weltgegenden im Gebrauch. ZIn- deſſen kam man doh zu der Cinſicht, daß durch blo- ßes Zerſchneiden und Aufwerfen der Erde, wenn ſie nicht auch völlig auf die Seite umgelegt würde, noch nicht alle zu einer guten Beſtellung nöthige Bedin- gungen erfüllt würden. Und ſo verfiel man auf die Unbringung der Streichbreter, die man ſchon im Al- terthum findet. Allerdings zeigen die alten Denko mäler der Sculptur und der Malerey keine, oder nur ſehr zweifelhafte Spuren davon. Virgil be» ſchreibt das Streichbret in folgendem Vers:

Binz aures duplict aptantur dentalia dorso.

Palladinus ſpricht von dem Pfluge mit einem

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