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Botanisch-oekonomische Abhandlung von der Gerste / von Erik Viborg
Entstehung
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Vollkomzienheit in Norwegen in 8 bis 9 Wochen, ja manchmal in kürzerer Zeit. Die starke Winterkälte hindert hier das Säen im Herbste, und der warme Sommer mit seinen langen Tagen, wie kurz er gleich dauert, treibt die Saat so stark, daß sie in so weniger Zeit reift. Es giebt daher Gerstenarten, die in Dänemark vor dem Win ter gesäet werden, und die man in Norwegen und den färöischen Inseln im Frühsinge säen muß. Die verschiedne Art das Land zu bestellen, trägt nicht weniger zur Ver schiedenheit der Saatzeit bey. Man findet, daß eine und dieselbe Art Gerste, die ge wöhnlich im Frühjahr gesäet wird, sich nach und nach so an die Kälte gewöhnen kann, daß sie im Herbste, selbst in den kältern Gegenden, gesäet werden kann. Sol⸗ chergestalt ist denn Sommergerste zur Wintergerste geworden. Eben so hat ein feuch terer oder trocknerer Boden vielen Einfluß auf die Säezeit. Viel früher kann die Gerste einem trocknen als einem feuchten Lande anvertrauet werden, da man findet, daß Nachtfröste und Kälte im Frühlinge der Gerste weit mehr Schaden zufügen in diesem, als in jenem. So findet man gleichfalls, daß Wintergerste durchaus nicht in gewissen Kogen in der Marsch gesäet werden kann, weil sie zu feucht sind, und das kalte und feuchte Nachjahr der Wintergerste vielen Schaden thut.

Die Gerstenarten, die man in Dänemark im Frühlinge säet, kommen gemeinig⸗ lich am Ende des Maies 12) unter die Erde, etwas früher oder später, je nach der Langwierigkeit oder Kürze des Winters und der Frühlingskälte. In Norwegen ist die Saatzeit der Gerste beynahe die nämliche; doch säet man ste auch an einigen Or

ten bis in der Mitte des Junius. Die sogenannten Wintergerste Arten, die man in

Dänemark baut, müssen im September, spätestens 14 Tage vor Michaelis gesäet werden.

Die Witterung, die man zum Aussäen der Gerste wählet, hat den größten Ein⸗ fluß auf den Wachsthum derselben. Man weiß, wieviel ein Regen bald nach der

12) Einige haben gar besondre Kennzeichen zur Säezeit der Gerste angegeben, nach dem Geschmack, dem Geruch, der Kälte der Erde ꝛc. welches keine Aufmerksamkeit zu verdienen scheint. S.. der Leipz. Samml. S. 31. und 92. Stück der gelehrt. Beytr. zu den Braunschw. Anzeigen v. J. 1768.

Herr Lanöbye, ein Pfarrer, Mitglied der patriotischen Gesellsch. in Stockholm, gab 1774 die beste Saatzeit für die Gerste folgendermaßen an: Man solle von dem gepflügten Gerstenfelde eine Handvoll Erde nehmen, solche in ein Glas thun, so viel Wasser dazu schütten, daß es 2 bis 3 Zoll über die Erde stehe. Rieche das Wasser den folgenden Tag säuerlich, und habe einen bit tern und salzigen Geschmack, so sey es noch zu früh zur Gerstensaat. Wenn es hingegen keinen Geschmack habe, so sey es die rechte Zeit. Leichtere, sichrere und gemeinnützigere Kennzeschen findet man bey Hern Konserenzrath Fleischer in seinem Ackerbau Katechismus, S. 95.

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