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Botanisch-oekonomische Abhandlung von der Gerste / von Erik Viborg
Entstehung
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und zwar überzwerch gepflüget 8), nach dem Säen geegget und endlich noch einmal gewalzet. Man säet auch wohl die Gerste vor dem Zwerchpflügen, welches in trock nen Sommern und bey lockerer Erde von guten Folgen ist.

In den Marschländern, wo man es mit dem zähen Letten oder sogenannten Kley zu thun hat, pflügt man gleichfalls dreimal zu Sommergerste, wenn die Witte rung es zuläßt, wenn gleich das Land schon zuvor zu anderer Saat, die darin ge wachsen ist, bearbeitet worden. Zur Wintergerste wählt man gleichfalls wohlgepflüg⸗ tes Land, da man immer die Gerste nach einem solchen Gewächs») säet, als wozu der Boden gut durchgearbeitet worden.

In Jütland dahingegen hat man an verschiednen Orten das dreyfache Pflü⸗ gen zur Gerstensaat versucht, es aber in trocknen Sommern nicht dienlich gefunden, weil die Erfahrung gelehrt, daß die Gerste in solchem dreymal gepflügten Lande, die Dürre des Sommers nicht so gut ertrage, als in dem weniger gepflügten. Da aber dies gerade an solchen Orten war, wo das Gerstenfeld schwarze Damerde war, und schon zweymal nach einander getragen hatte, daher also sehr locker war, so wurde es noch lockerer durch das öftere Pflügen zur Gerstensaat, daß also die Sonne allzu stark eindringen und den Boden austrocknen konnte, welches dagegen in leimiger Er de nicht Statt gefunden hätte. Dies Beyspiel kann folglich nicht gegen den Nutzen des öftern Pflügens der Gerstenäcker angeführt werden, um so weniger, da man ge rade an demselben Orte die Erfahrung machte, daß das dreymalige Pflügen in nassen Jahren eine ergiebigere Erndte zuwege brachte, als wenn nur zweymal gepflügt wird. Man könnte auch leichtlich der zu heftigen Wirkung der Sonne in trocknen Sommern, auf dergleichen dreymal gepflügte lockere Damerde vorbeugen, wenn man desto öfter walzete. Daß lockeres und wohlbearbeitetes Land jederzeit die Fruchtbarkeit der Ger⸗ ste vermehre, beweist die Art wie man auf den färöischen Inseln und hie und da in Norwegen das Land bearbeitet, als welches mit dem Grabscheit geschieht, und wo bey man immer mehrfältig einerndtet als in Dänemark.

In Seeland walzet re) man den Gerstenacker 7 bis 8 Tage nachdem die Ger⸗ ste aufgegangen ist, und zwar um verschiedne Absichten zu erreichen. Ist gleich nach der Aussaat starker Regen gefallen und es kömmt plötzlich Sonnenschein, so erhält

8) Man findet auch an einigen Orten, daß man das zweytemal überzwerch pflüget, und das drit⸗ temal überlang; welches auch am besten bey leimigtem Boden ist.

9) Man säet sie gemeiniglich nach der Rübsaat, zu welcher das Land sieben- bis achtmal gepflügt wird.

10) Vom Gebrauch und Nutzen der Walze s. Berl. Beytr. zur Landwirthschaft. 1. B. S. 359.