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Botanisch-oekonomische Abhandlung von der Gerste / von Erik Viborg
Entstehung
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An der Gerste hingegen sitzen die Blüten, drey neben einander unmittelbar an den Zacken des Aehrenstengels, und sind an den Seiten von einem sechsblättrigen Balg umgeben; wodurch denn die Gerste sich wesentlich von den andern Kornarten unterscheidet.

§. F. Diese drey erwöhnten Blüten der Gerste, sind theils alle fruchtbar, theils nur die mittelste. Bisweilen haben alle, bisweilen nur eine den Aehrenbart oder Gran⸗ nen. Oft findet man die Blüten und in der Folge die Körner flach an dem Aehren

engel anliegen, oft ragen sie weit vor selben vor. Diese Veränderungen hat man 9 9 9

ziemlich stenig befunden, und daher zu Kennzeichen angenommen, woran man die Ar ten der Gerstengattung von einander unterscheidet.

Wenn diese drey, so neben einander sitzenden Blumen, alle Zwitter sind, ma⸗ chen sie drey fruchtbare Reihen an jeder Seite der Aehre aus, die also sechszeilig wird. Doch kann die Anzahl der Reihen allein nicht hinreichen, eine Art zu unter scheiden, da man findet, daß eine solche sechszeilige Aehre oft bey einer und derselben Art vierzeilig wird. Die Zacken des Aehrenstengels stehen manchmal weiter von ein ander als gewöhnlich, wodurch die Seitenblumen mehrern Raum gewinnen sich ab⸗ wechselnd um einander zu legen, so daß die zwey äußersten Reihen, die von diesen Seitenblumen gebildet werden sollten, in eine Reihe zusammenfließen. Geschieht dies nun mit den Seitenblumen zu beyden Seiten der Aehre, so erhält diese nur vier Reihen.

Sind hingegen die beyden Seitenblumen dieser Dreyen blos männliche, so blei ben sie güste(unfruchtbar) und die mittelste allein wird fruchtbar. Diese bildet eine Reihe an jeder Seite der Aehre, und macht, daß sie als zweyzeilig erscheint, ob sie gleich im Grunde sechszeilig ist. Es findet sich auch, daß diese güsten männlichen Blüten immer ohne Aehrenbart sind, wodurch das besondre Aussehen der Aehre noch mehr vermehrt wird, und beyde Eigenschaften haben daher die deutlichsten und stetig⸗ sten Kennzeichen zur Unterscheidung der Arten abgegeben Y.

a Auch giebt die größere oder geringere Erhebung der Blumen gegen den Aeh renstengel, kein schlechteres Kennzeichen ab. Stehen die Blumen ab von dem Aehren

) Spätere Erfahrungen haben den Verfasser gelehrt, daß die grannenlosen männlichen Blüten kein so sicheres Kennzeichen zur Unterscheidung der Arten abgeben. Er hat gesehen, daß die Reis gerste(Hordeum zeocriton) am untern Theil der Aehre gegrannte Kronen oder Blumen vom Zwittergeschlecht gehabt, da wo die grannenlosen männlichen Blumen sitzen sollen, wodurch sie denn unterhalb eine sechszeilige Aehre erhalten hat. ö