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Hieraus entsteht die Schwierigkeit, die wirklichen Arten der Gattungen des Getraides von den zufälligen Abarten zu unterscheiden, da diese dadurch so verschie— den und stetig geworden, daß sie für jene gehalten werden können. Der unsterbliche Linnse sagt: Cultura tot varietatum mater, optima quoque examinatrix est. So wahr und richtig dieser Satz ist, und so sicher man sich mittelst desselben, von der Stetigkeit der durch den Anbau entstandnen Abarten überzeugen kann, indem man sie in ihren wilden Zustand übergehn läßt; so ists doch nicht möglich, ihn im Allgemei— nen zu einer genauern Bestimmung der Kornarten anzuwenden. Theils ist das Va— terland der meisten nicht entdeckt, theils der natürliche Zustand, darin sie wild wuch— sen, noch meistens unbekannt, und wüßte man auch dieses, würde es doch nicht möglich seyn, sie in ihren vorigen wilden Zustand zu setzen, indem man se in ihre Heimath zurückführte, durch dieselben Erdstriche und dieselbe Art des Anbaues, als sie so weit nach Norden heraufgekommen; da sie schon seit so langer Zeit gebauet, und auf so unbekannten Wegen zu uns gekommen sind. Indessen bleibt jener Satz nicht minder wichtig bey der Bestimmung der Abarten, die in spätern Zeiten bey un entstanden sind, indem man sich dadurch deutlich überzeugen kann, von 3 Ar⸗ ten sie abstammen.
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Damit der Leser, der sich nicht eben auf die Pflanzenlehre gelegt hat, einen
desto deutlichern Begriff in dieser Sache erhalten möge, will ich kürzlich anführen, was man in der Pflanzenlehre Art und Abart nennt.
Die einzelnen Pflanzen(Individua), die der Schöpfer zu Anfange hervorgebracht und ihnen einerley Figur, Bildung und vollkommne Aehnlichkeit in allen Theilen ge⸗ geben, und welche sich seitdem fortgepflanzet haben und sich immer gleich geblieben sind, machen eine Art(Species) aus.
Wenn die Pflanzen, die zu einer solchen Art gehören, verschiedenes Geschlechts 7
sind, oder auch an einigen einzelnen Theilen eine Veränderung erlitten haben, die ein verschiedner Himmelsstrich, Schatten, freye Luft, verschiedner Boden, Kälte und Wärme, Dürre und Nässe und mehrere zufällige Ursachen veranlaßt haben können, so werden sie Abarten(Varietates', allein im ersten Falle, natürliche, in dem letztern, unnatürliche). Von diesen unnatürlichen Abarten ist hier eigentlich die Rede. Die Veränderungen, die jene zufälligen Ursachen hervorbringen, best ehn in der Verschieden— heit an Farbe, Geruch, Geschmack, Größe, größerer oder kleinerer Anzahl gewisser Theile, mehrerer oder minderer Glätte oder Rauhigkeit, mehr oder minder gekräusel—
1) Linn. Crit. Bot. pars IV. p. 241.
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