3
Um 5 Uhr regnete es unter heftigem Gewitter; in der Nacht aber war alles vorüber.
Den 21. Mai(2. Juni N. St.) oder den 3. des§ten Mondes. um 7 Uhr des Morgens verließen wir Ssiu— ang⸗-chua. Zuerst gingen wir durch die Stadt von dem westlichen nach dem östlichen Thore, näher gegen Süden. Die verfallene Stadtmauer und Thore geben einen deutli— chen Beweis, daß China schon lange eine tiefe Ruhe ge— nießt, und nichts mehr von den Pfeilen der Mongolen färchtet. Der westliche Theil der Stadt ist mehr bevölkert; viele Kaufläden mit verschiedenen Waaren, wovon einige ziemlich reich sind, giebt es darin. Auf der breiten Straße stehen zwey hölzerne Triumphbogen, und am Ende ein gro— ßes steinernes und prächtig verziertes Thor, in der Mitte der Stadt, mit vier Durchgängen. Von diesem Thore westlich fangen die kleinen Häuser mit den Küchengärten an; die Straße ist auf beiden Seiten mit Weiden besetzt. Und diese entlegenen Theile der Stadt hier sind die Woh— nungen der Armuth!
Als wir aus der Stadt hinaus waren, ging unser Weg zwischen Feldern, die mit reichen Ernten bedeckt wa— ren; dieß verdanken die Einwohner der Bequemlichkeit, ihre Felder aus dem nahe vorbey fließenden Flusse zu wässern. Viele sind mit Gerste, Bohnen, Erbsen, Knoblauch u. s. w.
besa et. Am nordwestlichen Gebirge, ungefähr 4 Werste (uber 4 d. M.) von der Stadt, sieht man die Spuren
eines alten Begräbnißplatzes. Thore von Granit, Grab— steine, Löwen u. s. w. von eben der Masse liegen noch jetzt aufer den Feldern umher zerstreut. Endlich kamen wir auf die Landstraße, und setzten unsern Weg in tiefem Sande 170 der zur Zeit unsrer ersten Reise nach Pekin— im Winter, fest zusammengefroren, dem Reisenden nicht so


