Teil eines Werkes 
2 (1825) Aufenthalt in Pekin
Entstehung
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gefaßten Wörterbüchern zu versehen, wobey er zugleich den Wunsch äußerte, mit vereinten Kräften genau die Bedeu tung einiger chinesischen Wörter in russischer Sprache zu bestimmen, damit sowohl die in Pekin bleibenden, als auch die in unserm Vaterlande befindlichen Gelehrten, bey ihren Uebersetzungen, die chinesischen Ausdrücke in einem und demselben Sinne gebrauchen möchten. Ein nützlicher Vor satz, und zu gründlichen Fortschritten in der chinesischen und manshurischen Sprache unumgänglich nöthig.

Der ganzen gelehrten Welt sind die ungewöhnlichen Eigenheiten der chinesischen Schriften hinlänglich bekannt. Die Erwerbung gründlicher Kenntnisse darin kann man als einen glänzenden Triumph des Scharfsinnes, des Gedächt nisses und einer beharrlichen Geduld ansehen. Wir wissen nicht, ob die Bildung der Chineser irgend jemahls in einem so armseligen Zustande war, daß sie statt einer Buchstaben schrift eine völlige Bilderschrift im Gebrauche gehabt hätten, gleich den alten Aegyptern oder den Wilden Nordamerika's. Jetzt drücken sie zwar eigentlich nicht Sachen oder Gedan ken durch Sinnbilder aus, wie z. B. das Feuer durch eine Schlange, die Erde durch eine Schildkröte, die Luft durch eine Eidechse. Doch ist die chinesische Sprache nicht sehr von der hieroglyphischen verschieden, und enthält nicht we niger Schwierigkeiten. Die Chineser schreiben nicht nur jedes Wort mit einem besondern Schriftzuge; sondern jedes Wort zeigt auch, nach der Art wie es ausgesprochen wird, noch einige Bedeutungen. Zum Beyspiel das Wort Fu hat mehr als 80 verschiedene Schriftzeichen, welche mit be sondern Tönen ausgesprochen werden, und dem zusolge be stimmt man 80 verschiedene Benennungen, die einander völ lig entgegen gesetzt sind. Auf solche Weise bedeutet das Wort Fu: groß, schön, Menge, Reichthum, Glück u. s. w.