Teil eines Werkes 
2 (1825) Aufenthalt in Pekin
Entstehung
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17 von ihnen erkannten uns sogleich, blickten mit großer Neu gier in die Kaleschen und machten unter sich ihre Auslegun gen darüber, zu welcher Nation wir gehören möchten. Feldscheere, Garköche für Reisende, solche die zerbrochene Gefäße ausbessern und andere Handwerker die mit kleinen Gegenständen zu thun haben, verrichten die Arbeit ihres Gewerbes auf den Straßen. Wir fuhren nicht weit von dem südlichen Thore der rothen Mauer vorbey, innerhalb welcher sich der kaiserliche Hof befindet. Die Hofgebäude kann man vor der Mauer nicht sehen. Der Platz dem Thore gegenüber ist mit Quadern von Bruchsteinen gepfla⸗ stert und mit kleinen Säulen umgeben. Niemand darf dar⸗ auf fahren oder reiten, nur Fußgängern gestattet man, darüber zu gehen. Die Schildwachen von der Leibgarde saßen auf Bänken bey dem Paradethor, und rauchten ruhig Tabak. Ihre beschmutzten Röcke verliehen dieser Wache des Gebieters des mittelsten Reiches(auf manshurisch: lumbai Gurung(Hurung)) wenig Glanz. Beynahe alle Häuser in Pekin sind weiter nichts als Kaufmanns gewölbe mit verschiedenen Waaren. Hier bemerkt man keine solche Ordnung, wie bey uns in St. Petersburg oder Moskwa, daß in gewissen Gewölben oder Buden, die in einer Linie liegen, nur Waare von einerley Art verkauft würde; sondern jedes Gewölbe hat auch besondere Sachen. In der Straße, die neben dem russischen Klosterhofe vorbey geht, ist ein sehr großes Gewölbe zum Leihen auf Pfänder, oder ein Privat-Leihhaus, deren es in Pekin eine Menge giebt. Die Verschwendung und die Armuth der Manshuren tragen viel zur Bereicherung dieser verderblichen, auf chine sisch Danpu genannten Anstalten bey. Die Regierung hat keine Leihhäuser, aber unter dem Nahmen von Regie

rungs⸗Leihhäusern unterhalten große Fürsten dergleichen II. Band.

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