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Jeder Europäer, der im Innern des chinesischen Rei— ches gewesen ist, hat seinen Landsleuten seine Gedanken von diesem so entfernten Reiche überliefert. Die dort le— benden römisch-katholischen Glaubensprediger haben beson— ders viel von der chinesischen Geschichte, Statistik u. s. w. geschrieben, und sich bemüht, dadurch ihrem dortigen Auf— enthalte, und ihren geistlichen Erwerbungen in einem Lande mehr Bedeutsamkeit zu geben, das bisher vielen als ein Land räthselhafter Vermuthungen erschien. Gewiß, alle solche Werke dienen zum Beweise der eifrigen Bemühungen der Europäer um die Kenntniß der ganzen Welt. Die bis jetzt in China befindlichen Jesuiten hatten mehr Gelegenheit genaue Nachrichten davon zu sammeln, da sie sich, unter der Regierung des zweyten Kaisers der manshurischen da— zin'schen Dynastie, des berühmten Kansi, mit der trigono— metrischen Aufnahme der Gebiete dieses weitläufigen Reiches beschäftigten. Ihre Berichte über China sind nicht nur in Europa mit ausgezeichneter Aufmerksamkeit aufgenommen, sondern entflammten den Geist vieler Gelehrten, besonders in Frankreich; denn die französischen Jesuiten genossen eine vorzügliche Achtung in China selbst, durch ihre encyklopä—
dische Bildung, und noch mehr durch ihren geschmeidigen,
einschmeichelnden Charakter. Viele Gelehrte haben sich den Nahmen tiefer Kenner der chinesischen und manshurischen Schriften angemaßt, indem sie bey ihren Schlüssen sich nur auf die Ueberlieferung der Jesuiten verließen. Daher er— schienen in Europa ganze Bände verschiedener Werke über China— Früchte eines gelehrten Heroismus; und in sol— chem Sinne kann dieses Reich nicht mehr für wenig be— kannt angesehen werden. Französische Schriftsteller bemüh— ten sich immer, sicher mit dem gegründetesten Rechte, auf dem Kampfplatze der Streitigkeiten über China mit den


