Teil eines Werkes 
2 (1825) Aufenthalt in Pekin
Entstehung
Einzelbild herunterladen

F

Von Kanton bis beynahe nach Pekin selbst kann man auf Schiffen fahren; Statthalterschaften, die durch Berge und Wüsten von einander abgeschnitten sind, haben unter sich Gemeinschaft durch große Straßen, Kanäle und Flüsse. Ganze Dörfer und Städte schwimmen auf dem Wasser und der innere Handel zwischen den verschiedenen Gebieten wird frey und thätig betrieben. Der Ackerbau ist der Grund des Wohlstandes der dortigen Einwohner; die Felder sind mit fetten Aehren mannigfaltigen Getreides bedeckt; trockener Boden ist mit Hülfe der Kunst bewässert; rohe Felsen sind in fruchttragende Aecker verwandelt; alle Bäume und Ge wächse, die irgend einen Nutzen bringen, sind da ange pflanzt; das nämliche gilt auch von Metallen und andern Mineralien, das Gold ausgenommen, wovon die Chineser fast gar nichts aus dem Schooße ihrer Berge gewinnen. Das Land ist reich an Thieren; Seen und Flüsse wimmeln von Fischen; der Seidenwurm allein giebt vielen Tausenden Beschäftigung und Unterhalt. Arbeit und Gewerbfleiß ste hen jedem Stande, jedem Alter offen, sogar den hochalten, blinden und stummen. Sanftmuth und Gehorsam, eine freundliche Höflichkeit und Umgang mit der Welt, machen, so zu sagen, das ABC aus, das jeder Chineser in der zartesten Kindheit auswendig lernt, und von dem er in dem Laufe seines ganzen Lebens nicht abweicht. Ihre Gesetzge bung und Pelizey sind Wahrheit und strenge Ordnung. Das ganze Staatsgebäude, in den verschiedenen Verhält nissen und wechselseitigen Verpflichtungen der Gesellschaften gegen einander, ist auf den Gehorsam gegründet, der vom Sohne dem Vater, und von den Unterthanen dem Vater des ganzen Vaterlandes, dem Kaiser, bewiesen wird. Dieser sorgt seinerseits wieder für sie, als für seine Kinder, indem er ihnen Vorsteher setzt, und sie ordnet. Kann es wohl je