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Den 28. Nov.(10. Dec. N. St.) legte sich der Nord— wind, der während der vier vergangenen Tage angehalten hatte, und das Wetter wurde weit wärmer.
Wir gingen um 9 uhr des Morgens ab. Halb 11 uhr kamen wir, nach einem Wege von 122 Wersten(über 12 d. M.) in der Festung Ssing(d. i. neu) juiling an. Hier ruheten wir etwas aus und gingen dann weiter. Nach einem Wege von nochmahls 122 Wersten kamen wir zu dem Gasthofe, nahe bey der Festung Tschad o, nach 1 Uhr des Nachmittags. Wir hatten 25 Werste, oder 50 chinesische Li(35 d. M.) zurückgelegt.
Bey der Abreise aus Chuailai schickte ich dem Aufseher des Gasthofes ein Levantin-Schnupftuch und ein gutes Messerchen. Wir fuhren durch das südliche Stadtthor hinaus. Die Herunterfahrt ist sehr steil; aber noch schwerer war es, von der nahe liegenden steinernen Brücke abwärts zu fah⸗ ren. Diese Brücke ist über ein Flüßchen gebaut, das aus dem östlichen Gebirge herfließt und in den Jan fällt; der Bau ist groß und prachtvoll. Die ehemahlige Brücke hatte 11 Bogen, aber jetzt nur drey, die sich näher bey der Stadt befinden; überdieß steht noch ein Bogen einige Klaftern weiter vorwärts. In dem Zwischenraume war, wie man sieht, auch eine Brücke, aber ihre Bogen sind in der Länge der Zeit verfallen und die Steine weggetragen worden. Die Chineser fahren ihre sehr großen Wagen von dem steilen eingestürzten Brückentheile auf eine ungewöhnliche Weise herab. Hinter den Wagen stellen sie einen Maulesel, dem sie einen Strang, der an der Achse befestigt ist, über den Kopf werfen. Der Maulesel, den sie indessen auf die Schnauze schlagen, geht vorsichtig den steilen Abhang herunter und erhält so sich selbst und den Wagen: eine gar zu mühevolle und gefährliche Arbeit!


