330 Porzellanfabrikation, Glasur.
nachtheilig. Man wendet auch nach liegende Oefen an, wie in den thü- vingschen Fabriken, und bis vor einigen Jahren in Meilsen und Wien; sie verzehren weit mehr Brennmaterial, als die Etagenöfen, geben eine sehr ungleiche Hitze, so dafs man gezwungen ist, verschiedne Massenversätze zu machen, und einen Theil des Ofens ganz unbenulzl lassen muls.— Die verglühten Geschirre werden hierauf glasirt, passer en couvert. Das Material zur Glasur ist eine erdige Masse, welche in hef- tigem Feuer, ohne Zusatz eines Alkalis oder Bleioxyds, zu einem farb- losen, durchsichtigen Glas schmilzt, welches das durchs Gutbrennen weich gewordne Porzellan überdeckt, und die weilse Farbe desselben durchscheinen läfst. Man bedient sich zur Glasur theils des Feldspaths, welcher in höhern Hitzgraden schmilzt, auch des Gypses und Sands in
Verbindung mit einem Zusatz von feingemahlnen Porzellanscherben. a
| Die Glasurmasse zu Sövres\besteht nach Berthier aus 73,0 Kiesclerde, 16,2 Thonerde, 84 Kali(0,6 Wasser), sie wird aus Quarz und Feldspath bereitet. Die Berliner Glasur besteht aus Gyps, Kiesel, Por- zellanscherben und etwas Porzellanerde. Der Zusatz von Gyps, den man nicht selten macht, soll die Schmelzbarkeit befördern, leicht wird aber dadurch ein Stich ins Grüne bedingt; zu viel Porzellanscherben- zusatz bewirkt, dafs in der Glasur sehr viele feine Pünktchen sichtbar werden, coque d’ocuf, gs sieht aus wie Eierschalen.]
Die zur Glasur erforderlichen Materialien werden sehr fein semah- len und zu einem dünnen Brei mit\Vasser angemengt. In diesen taucht man die verglühte Waare ein, oder zieht sie durch, tremper, poser par immersion, und trägt mit einem Pinsel die Flüssigkeit auf denjeni- gen Stellen auf, an welchen das Geschirr angefafst wurde. Sodann wird die Glasurmasse vom Fufs der Waaren mit hölzernen Schablonen abge- schabt und abgebürstet, damit sie nicht auf dem Boden der Kapsel beim Gutbrennen ankleben. Sind die Waaren trocken, so werden sie in Kapseln eingesetzt, encaster, encastage, und zwar entweder jedes Stick in eine einzelne, oder mehrere kleinere Stücke, wie z. B. Tassen, Schäl- chen, neben einander in eine. Man stellt die Waaren auf eigens gefer- tiste runde Thonplatten, Pumbse, rondeau, die aus Kapselmasse mittelst eiserner Formen auf ebnen Brettern geformt, mit einem Draht platt abge- schnitten, mit Thonschlicker und Sand überzogen, gebrannt, in die mit Sand bestreuten Kapseln gelegt werden, damit sich die Geschirre beim heftigen Feuer, in welchem die Masse weich wird und sich leicht verun- staltet, nicht krumm ziehen kann; aus diesem Grunde kann man auch die einzelnen Geschirre nicht aufeinander stellen, oder auf 3 Punkten al- lein unterstützen, wie in den Kokers der Steingutfabriken, es muls viel-
mehr der Boden der Geschirre in allen Berührungspunkten durch eine
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