Teil eines Werkes 
Bd. 1 : Abt. 1 (1831) Elemente der technischen Chemie
Entstehung
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10 Wahloerwandtschaft. Praedisponirende Vers.

Essigsaures Bleioxyd und Schwefelsäure giebt schwefelsaures Bleioxyd und Essigsäure.

Treten 4 Stoffe in Wechselwirkung, von denen je 2 und 2 bereits mit einander verbunden sind, a+b und e+-d, und verbinden sie sich nicht unmittelbar zu einem Ganzen, sondern so, dals sich a mit c und b mit d vereint, so entstehen zwei Produkte, kein Edukt; diesen Vor- gang nennt man den Prozels der doppelten Wahlverwandtschaft. Bei- spiele. Schüttet man zu einer Auflösung von salzsauren Baryt schwe- felsaures Natron, so hilden sich schwefelsaurer Baryt und salzsaures Na- tron; aus essigsaurem Bleioxyd und kohlensaurem Natron entstehen koh- lensaures Bleioxyd und essigsaures Natron.

[Merkwürdig ist, dafs, wenn sich zwei neutrale Salze zerlegen, meistens auch wieder zwei neutrale Salze gebildet werden, aber nicht stets; Aus- nahmen machen: kohlensaures Zink-, Kupferoxyd, Magnesia, welche, aus zwei neutralen Salzen erzeugt, z, B. aus schwefelsaurer Magnesia, Kupfer- und Zinkoxyd und kohlensaurem Kali oder Natron, dennoch basisch sind, Der Erfolg der doppelten Wahlverwandtschaft ist nicht selten unter ähnlichen Umständen bei denselben Stoffen ein anderer, als der der einfachen, WVenn man z. B. schwefelsauren Baryt mittelst Kalı zerlegen wollte, so würde dies nicht erfolgen, weil die Verwandtschaft des Baryts zur Schwefelsäure gröfser als die des Kalis zur Schwefel- säure. WVenn man aber schwefelsauren Baryt mit kohlensauren Kali schmilzt, oder kocht, so ist die Verwandtschaft der Schwefelsäure ge- gen das Kali+ der Verwandtschaft des Baryts zur Kohlensäure gröflser als die Verwandtschaft des Kalis gegen die Kohlensäure der Ver- wandtschaft des Baryts zur Schwefelsäure, also erfolgt die Zersetzung, die durch reines Kali nicht erfolgt.]

Die prädisponirende, vermittelnde, bedingende Verwandtschaft findet dann statt, wenn ein Körper einen aus 2 Bestandiheilen beste- henden nur unter Vermittlung eines vierten zerlegt, der sich mit dem Produkt der Zersetzung verbindet, während ein Edukt frei wird. Es sei z. B. a+b ein zu zerlegender Stoff, c kann sich mit a verbinden und b entbinden, aber nur dann, wenn e, welches zur Verbindung von a-+-c Verwandtschaft hat und sich mit derselben verbinden möchte, mit einwirkt. e vermittelt also die Verbindung von a+c, es bestimmt c die Verbindung von a-+-b zu zersetzen. Beispiel. Zink zerlegt das Wasser, welches aus Sauer- und Wasserstoff besteht nur dann, wenn eine Säure zugeselzt wird, welche sich mit dem dann sich bildenden Zinkoxyd(Zink+ Sauerstoff) vereinigt. Weil nun die Säure vorhan- den, und dieselbe zum Zinkoxyd Verwandtschaft hat, so zerlegt Zink das Wasser, Wasserstoffgas wird frei und Zinkoxyd bildet sich, wel-

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