Teil eines Werkes 
Bd. 1 : Abt. 1 (1831) Elemente der technischen Chemie
Entstehung
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Von dem chemischen Proze/s. 5

2. Von dem chemischen Prozels ins Besondere.

Es ist schon vorn gelehrt worden, dafs die Verwandtschaft, oder Affinität, der Naturkörper die alle chemischen Erscheinungen bedingende Naturkraft ist, dafs alle Mischung und Zerlegung der Stoffe Folgen ihrer Wirkung sind. Alle Körper haben chemische Anziehung zu einander, und die Affinität gehört zu den der Materie zukommenden Kräften. Die Stärke der Verw andtschaft der Körper ist aber sehr verschieden, einige ziehen sich beträchtlich stark, andere dagegen nur schwach an, nicht selten scheint es sogar, als äufserten gewisse Stoffe auf einander gar keine chemische Anziehung, wenigstens ist sie unter den gewöhnlichen Umständen verschwindend.

Auf den durch die Wirksamkeit der Verwandtschaft bedingten che- mischen Prozefs äufsert unter andern die Wärme einen sehr srolsen Einfluls.Es ist längst ein Erfahrungssatz, dafs jede chemische Mi- schung, oder Zersetzung, an eine bestimmte Temperatur gebunden ist, so dafs, wenn dieser nöthige Temperaturgrad nicht erreicht ist, oder überschritten wird, der Prozefs entweder gar nicht eintritt, oder sehr unvollkommen verläuft, ja selbst das entgegengesetzte tesultat erhalten wird von demjenigen, welches bei einer bestimmten Temperatur er folgt sein würde. Es ist aus der Physik bekannt, dafs alle Körper Co- häisionskraft besitzen, vermöge welcher die gleiehartigen Theilchen der- selben sich anziehen, zusammenhalten, ini ein gleichartiges Ganze bilden. So lange aber die mechanische Anziehung gleichartiger Theil- chen beträchtlich stark ist, wie in den starren Körpern, so lange können sich die ungleichartigen Körpertheilchen nieht gegenseitig ver- binden, sich chemisch nicht einigen. So bald als aber die Cohäsionskraft der gleicharligen Theilehen so weit vermindert ist, dals dieselben be- weglich, verschiebbar geworden, so kann der eische Prozels der Aufeinanderwirkung stattfinden. Deshalb sagten auch schon die 2 Chemikernur flüssige Körper wirken chemisch auf einander ein. Nun bedingt die Wärme nicht allein eine Vergröfserung des Raums, den die Körper einnehmen, lockert nicht allein die Masse auf, und vermin- dert dadurch schon die Starrheit, sondern sie bedingt auch das Flüssig- werden, den Uebergang sowohl in den tropfbar- als elastisch flüssigen Zustand. Hieraus wird einleuchtend werden, weshalb, wenn chemische Mischungen oder Zerlegungen stattfinden sollen, eine bestimmte Tem- peratur der Körper, ein gewisser Grad der Auflockerung, der vermin- derten Cohäsion dazu erforderlich ist. ohne welchem durch die gegen- seitige starke Anziehung gleichartiger Theile das Anziehen der ungleich-

semacht werden kann.

artigen sehr gehindert ist, oder selbst unmöglich ze