Teil eines Werkes 
2 (1802) Von der Kunstsprache und dem System
Entstehung
Einzelbild herunterladen

9

den in der botanischen Kunstsprache viel genauer be⸗ stimmt, als im gemeinen Leben. Unsere Muttersprache ist zwar an sich so reich,

daß wir gewiß die meisten fremden Kunst⸗Ausdru⸗

cke und Pflaunzen⸗Namen recht gut in sie übersetzen können: allein theils führen manche dieser Ueberset⸗ zungen einen Doppelsinn mit sich; theils beleidigen sie das Ohr durch Mißtöne; oder sie sind zu niedrigz um im feinern Conversations-Ton gebraucht zu wer⸗ den. In solchen Fällen halte ich die Aufnahme frem⸗ der Ausdrüͤcke für sehr schicklich, und der Wohlklang mancher griechischer und lateinischer Namen recht⸗ fertigt ihre Anwartschaft auf das Bürgerrecht in un⸗ serer Sprache vollkommen. Wer z. B. Anthere durch Staubkölbchen übersetzen wollte, würde einen Doppel⸗ sinn hervor bringen, der die Deutlichkeit des Begriffes

hindert. So finde ich die Namen: Pippau, für Cre⸗

pis, Schweinssalat, für Hyoseris, unschicklich; und

Cynometra mag ich gar nicht übersetzen. Es kommt

also bey diesen Benennungen darauf an, ob wir einen schicklichen deutschen Ausdruck für den fremden vor⸗ räthig haben. In diesem Falle sehe ich nicht ein, warum wir nicht den deutschen vorziehen, warum wir nicht Dolde statt Umbelle, Narbe statt Stigma