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Zweiter Abschnitt.
Physische und moralische Verhältnisse der Altenburger.
Die Mehrzahl der Einwohner des altenburgschen Länd⸗ chens, so weit ichs beschreiben will, stammen von den Sorbenwenden ab, und die altenburgschen Bauern zeigen in ihrer eigenthümlichen Tracht, ihren Sitten und Gebräuchen ihre Abkunft recht sehr deutlich, und es ist sehr zu bewun⸗ dern, daß sich dies alles in einem so kleinen Strich Landes so lange erhielt und bei allem dem die Kultur so hoch stieg.—
Nur die wendische Sprache hat sich bei ihnen nicht so, wie bei den in der Lausitz wohnenden Wenden erhalten. Der Landgraf Friedrich mit der gebissenen Wange ver⸗ bot im Jahr 1327 bei Lebensstrafe wendisch zu sprechen, oder vor Gerichte sich dieser Sprache zu bedienen. Auch wurden alle Wenden für unfähig erklärt, öffentliche Aem⸗ ter und Ehrenstellen zu verwalten, ja sie durften nicht ein⸗ mal ein Handwerk erlernen.
Dies waren freilich harte Mittel, welche sich nicht mehr mit unserm Zeitgeiste vertragen würden, aber die hohe Kultur würde im Altenburgschen nicht statt finden, wenn die wendische Sprache noch jetzt dort allgemein wäre. Die Lausitzer Wenden sollen sehr hinter ihren deut— schen Nachbarn zurück seyn.—


