xxxiv Vorrede des Verfassers
5„7. Ganz gewiß ist die allgemeine Vernunft unverän⸗ „derlich; und gleichwohl ändert sich die Moral nach Ländern „und Zeiten. So ist, trinken zu können, Tugend bey den „Deutschen: und wenn man sich nicht mit ihnen berauscht, „kann man mit ihnen kein Verkehr haben. Nicht Ver⸗ „nunft, sondern Wein knüpft bey ihnen die Gesellschaften, „schließt die Vergleiche, und macht die Contracte. Bey „den Edelleuten ist es Großmuth, das Blut dessen zu ver⸗ „gießen, der ihnen einen Schimpf angethan hat. Zwey⸗ „kampf hat da lange für eine erlaubte Handlung gegol⸗ „ten: und gleichsam, als ob die Vernunft nicht der Ehre „werth wäre, unsre Zwistigkeiten beyzulegen, beendigte „man sie mit Gewaltthätigkeit: statt des Gesetzes Gottes »richtete man sich lieber nach dem Gesetze der unvernünfti— „gen Thiere, oder ließ das Loos entscheiden. Und man »darf nicht glauben, daß dieser Gebrauch nur unter „Kriegs⸗Leuten gegolten hätte; nein, er war fast allge— »mein: und wenn sich die Geistlichen aus Achtung für »ihre Würde nicht selbst schlugen; so hatten sie Vorfech⸗ „ter, die ihre Stelle vertraten, und ihr Recht durch Ver— „gießung des Blutes der Gegen-Partey behaupteten— „Ja, sie bildeten sich so gar ein, als billigte Gott ihr „Verhalten: und es mochten nun ihre Händel durch den „Zweykampf, oder durch das Loos ausgemacht werden, „so glaubten sie nichts zuversichtlicher, als daß Gott da⸗ »bey zu Gerichte säße, und den, der das Recht auf seiner „Seite hätte, seine Sache gewinnen ließe. Denn ange⸗ »nommen, daß Gott durch Privat-Willens-Meynungen „handelte, wie der gemeine Mann glaubt, wie gottlos „ist dann nicht die Furcht, daß er Unrecht begünstigen, voder seine Vorsehung sich nicht über alles erstrecken sollte!
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