xxx Vorrede des Verfassers.
„Vernunft anhangt, für närrisch gilt, der liebt sie wahr⸗
»haftig. Wer aber der Ordnung nur anhangt, wann „sie in den Augen der Welt schimmert, der sucht bloß „Nuhm: und schiene er auch alsdann in den Augen der „Menschen selbst über und über glänzend; so ist er doch „vor Gott ein Gräuel.
5„2. Ich weis nicht, ob ich mich irre; aber mich „dünkt, es gebe eine Menge Leute, die von wahrer Tu⸗ „gend gar nichts wissen; ja, ich glaube, daß so gar die— „jenigen, die über Moral geschrieben, nicht immer sehr „deutlich und sehr richtig geredet haben. Ganz gewiß nerregen alle die großen Namen, die den Tugenden und „Lastern beygelegt werden, in dem Gemüthe mehr ver— „worrene Empfindungen, als deutliche Vegriffe. Da aber „diese Empfindungen einigen Eindruck aufs Herz machen, „und die abstracten Begriffe, wenn sie gleich an sich deut— »lich sind, nur in aufmerksamen Höpfen ein Licht aufstek⸗ „ken; so begnügen sich die Menschen fast immer recht gern „an solchen Worten, die den Sinnen und Affecten schmei⸗ „cheln, und den Verstand im Dunkeln lassen. Sie gläu⸗ „ben, eine Rede oder Schrift sey um so grändlicher, je „lebhafter der Eindruck ist, den sie auf die Einbildung „macht, und betrachten dergleichen strenge Räsonne⸗ „ments als Gespenster und Erscheinungen, welche ver— „schwinden, so bald es uns an Aufmerksamkeit fehlt; wie ö „Kinder, die über die Dinge nach dem Eindrucke, den sie „auf ihre Sinnen machen, urtheilen, und daher glauben, „Eyß enthalte mehr Materie, als Wasser und Gold oder „andre schwere und harte Wennh mehr, als die Luft, von „der sie umgeben sind, ohne daß sie solche beynah em⸗ „pfinden.
23 Uebri—
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