Vortede des Verfassers. xxix
»spornt werden. Diese angeblich edle Hitze ist bloß Ei— »telkeit oder Maschinen Spiel: es bedarf zum öftern nur »ein wenig Wein, um hierinnen viel zu wirken. Wer „Beschimpfungen, die ihm angethan werden, ungeahndet »hingehn läßt, ist oft weder gemäßigt, noch geduldig. „Seine Trägheit macht ihn unthätig; sein lächerlicher, »stoischer Stolz tröstet ihn, und setzt ihn in Gedanken »über seine Feinde hinweg: das ist ebenfalls nur ma⸗ »schinenmäßige Neigung, Armuth an Lebens⸗Geistern, „kaltes Blut, Melancholie. Gleiche Bewandtniß hat es »mit allen Tugenden. Ist ihre Quelle nicht Ordnungs⸗ »„Liebe; so sind sie unächt und nichtig, eines vernünftigen „Wesens, welches das Ebenbild Gottes selbst an sich »trägt und durch die Vernunft mit ihm Gemeinschaft »hat, auf alle Weise unwürdig. Sie entspringen aus »der Beschaffenheit des Körpers; der Geist Gottes bildet »sie nicht; und wer sie zum Gegenstande seiner Wünsche »und zum Innhalte seines Ruhmes macht, hat eine nie— »drige Seele, einen kleinen Geist, und ein verdorbenes „Herz. Sage aber auch eine emporte Einbildung, was „sie wolle, so ist es doch weder Niederträchtigkeit, noch »„Knechtschaft, sich dem Gesetze Gottes selbst zu unterwer— »fen. Nichts ist billiger, als sich nach der Ordnung zu »richten. Nichts ist größer, als Gotte zu gehorchen. »Nichts ist großmüthiger, als der Partey der Vernunft »standhaft, getreulich und unverbrüchlich anzuhangen; »und zwar nicht bloß, wenn man ihr mit Ehren anhan— »gen kann, sondern hauptsächlich, wann die Umstänbe »der Zeiten und der Orte so beschaffen sind, daß man »ihr nicht anders, als mit Schimpf und Schande be— odeckt, anhangen kann. Denn wer dabey, daß er der
„Ver.


