Druckschrift 
Johannis Kunckelii ... Ars Vitraria Experimentalis, Oder vollkommene Glasmacher-Kunst, Lehrende ... aus unbetrüglicher Erfahrung, herfliessendem Commentario, über die ... sieben Bücher P. Anthonii Neri, von Florenz, und ... Anmerckungen Christophori Meretti ... Die Allerkurtz-bündigsten Manieren, das reineste Chrystall-Glas, alle gefärbte oder tingirte Gläser ... zu machen ...
Entstehung
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von der Glaßmacher⸗Kunst. 13

kochen, mit Verhütung, so viel es müglich ist, daß es mit keinen Eisen umge⸗ rühret werde; dann der Erystall allezeit eine Schwärtze von dem Eisen be⸗ kommet, und annimmt. Wenn nun dieses verrichtet, und der Crystall klar worden/ so muß man sehen, ob er von der Magnesie genugsam bey sich habe, und wenn er etwas grünlicht, so kan man von der Magnesie noch mehrers hinzu thun; man muß aber allezeit Piemontische Magnesie, wie zu Muran gebräuchlich ist/ nebmen; denn die Toscanische und Lygurische halten mehr schwärtzlichte oder Eisenhaffte Farbe, und machen den Erystall schwartz; da⸗ hero wird von denen Glaßmachern allezeit die Piemontische, als die beste, genommen. Sie muß aber sparsam, und mit Verstand hinzu gethan wer⸗ den/ sonsten giebet sie dem Crystall eine eisenhaffte und rostige Farbe, welche endlich gar schwartz wird, und die Klarheit dem Crystall benimmt.

Nachdem man dem Blaß die Magnesie beygesetzet hat, so lässet mans so lang kochen, biß daß es eine helle und gläntzende Farbe erlanget hat. Die Eigenschart der Magnesie, wenn sie in behörlicher Quantität gebrauchet wird/ ist diese, daß sie dem Glaß die grobe Grünheit entnehme, und ein weiß glantzendes Crystall mache; darum ist es sparsam und nur nach und nach zu gebrauchen, damit es das Crystall nicht verderbe.

Die gantze Sache aber, dieses Gebrauches beruhet auf der Geschick⸗ lichkeit, eines fleissigen und verständigen Künstlers, denn man allhier kein ge⸗ wisses Maaß und Gewicht geben kan.

Wenn du nun ein schön und helles Crystall erlanget hast, so verschaffe, daß er ohne Berzug zu beliebigen Geschirren verarbeitet werde; jedoch aber daß es mit wenigerm Feuern, als das gemeine Glaß gearbeitet werde; wie⸗ 10 seht hell/ ohne Rauch, und mit dürren und harten Holtz muß gema⸗

et seyn.

Die eiserne Instrumenta, deren sich der Arbeiter hierzu bedienet, sollen rein und gevoliret seyn/ auch muß der halbe oder äusserste Theil deß Glases, welcher an dem Blaßrobr hänget, nicht wieder zum Crystalln, sondern in ei⸗ nen andern Topffbeyseits gethan werdenz denn dieses Stücklein Glaß, alle⸗ zeit etwas von der Eisen⸗Farb/mit sich nimmt, welche das Crystall verder⸗ bet. Derowegen ist solches insonderheit wohl zu mercken, und kan dasselbi⸗ ge/ an dem Blaßrohr hangen⸗gebliebene Stücklein, nur in einen gemeinen Glaß⸗Topff gethan werden, als aus welchem geringe Geschirr verfertiget werden, denen solches nichts schadet; dieses ist also die Art und Weise das Crystall zu machen, dessen ich mich allezeit bedienet, und gebrauchet habe.

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