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Drey Reisen nach Italien : Erinnerungen / von C. F. v. Rumohr
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eine Weiſe Win>elmann's gedacht werden mußte zs doh errieth man, daß er auch auf dieſen einen Theil ſeiner unſchuldigen Animoſität übertrug. Un- ſtreitig mußte es ihm erſcheinen, als ſey Winckel- mann in den Fehler verfallen, überall zu weit qus- zuholen. Von Idealen ſprach allerdings auch Fio- rillo; allein er verſtand bey dem Worte eben nur eine gewiſſe äſthetiſch ermäßigte Naturverläugnung, oder jenen ſonderbaren Begriff, welcher dem Ma- nieri8mus zum vorgewendeten Grunde und zur Be- ſchönigung gedient. Winelmann's Ableitung der Ideale aus einer beſondern Erhebung der Seele mußte ihm daher läſtig fallen, wohl auch als ganz widerſinnig erſcheinen. Denn ſein Schönheitsſinn reichte nur bis auf die Oberfläche der ſinnlichen Er- ſcheinung, erreichte etwa noch jenen in einem andern Verſtande ſinnlichen Küßel, den üppige Vorſtellun- gen mittelbar durch Aufregung der Einbildungskraft hervorrufen. Allein eben dieſe Empfänglichkeit für Reize des Tones, der Harmonie, der Pinſelfüh- rung, des Schmelzes und Formenſpieles war in ihm von einer ſüdlichen Feinheit, wie denn über- haupt ſein ganzes Weſen voll Eleganz.

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